Sanfter wohnen

Haus im Spiegel

Wohnen hat nebst der Ernährung die grösste Auswirkung auf die Umwelt. Konsumentinnen und Konsumenten können deshalb ihre persönliche Umweltbelastung durch ein bewusstes Wohnen stark beeinflussen.

Die Wahl des Standorts ist die erste wichtige Entscheidung. Wer sich für eine Wohnung oder ein Haus in der Stadt entscheidet, verbraucht meist kein zusätzliches Kulturland. Auch der Arbeitsweg wird in der Regel kürzer und kann oft mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt werden. Das gleiche gilt für die Einkäufe und für die Freizeitaktivitäten. Wohnen im Grünen dagegen muss nicht immer grün sein, wenn der eigene Platzbedarf dadurch steigt und der Anfahrtsweg – womöglich mit dem eigenen Auto – sich verlängert.

Die Wahl der Wohnung oder des Hauses bildet die zweite wichtige Entscheidung. Ein grosser Teil des Schweizer Gebäudebestandes wurde in den Nachkriegsjahrzehnten errichtet. Bis in die 1980er Jahre hinein wurde auf den Energieverbrauch kaum geachtet. Erst seit den 1990er Jahren wurde etwa mit den Minergiebauten gezielt energieeffizient gebaut. Auch die kantonalen Bauvorschriften wurden seither im Energiebereich schrittweise verschärft. Wer in ein neues Gebäude einzieht, kann also in der Regel mit niedrigeren Energiekosten rechnen. Aber auch bei älteren Gebäuden kann man darauf achten, ob die Fenster und Türen energetisch saniert und ob nachträglich die Fassaden stärker isoliert worden sind. Zudem verbrauchen Einfamilienhäuser in der Regel mehr Energie als Mehrfamilienhäuser. Und wer sein Gebäude selber sanieren will, der kann auf Unterstützung von Bund und Kantonen etwa im Rahmen des Gebäudeprogramms rechnen.

Bauherrschaften haben zudem auch Einfluss auf die Wahl der Baumaterialien. So hat Schweizer Holz in den vergangenen Jahren einen grossen Aufschwung als Baumaterial erlebt. Es ist der wichtigste nachwachsende Rohstoff in der Schweiz, benötigt wenig graue Energie, speichert CO2 und schützt damit das Klima. Aber auch zahlreiche andere Baumaterialien werden inzwischen in einer Weise hergestellt, welche die natürlichen Ressourcen möglichst schont. Die Bauherrschaften haben bei den Bau- und Dämmstoffen, bei den Materialien für Dach und Fassade, bei den Farben und Bodenbelägen inzwischen eine grosse Auswahl an ressourcenschonenden Produkten.

Der eigene Platzbedarf hat einen erheblichen Einfluss auf die Umweltbelastung. Während vielen Jahrzehnten hat der Platzbedarf der Schweizerinnen und Schweizer stetig zugenommen. Inzwischen konnte dieser Trend in den Städten weitgehend gestoppt und in den grossen Städten sogar umgekehrt werden. Weiterhin gilt aber: Je mehr Quadratmeter in Anspruch genommen werden, desto grösser ihre Umweltbelastung. Wenn etwa die Kinder aus dem Haus sind, können es sich die Eltern überlegen, ob ihnen auch eine kleinere Wohnung genügt.

Mit der Wahl des Heizungssystems wird der Energieverbrauch oft für Jahrzehnte festgeschrieben. Die Ölheizung stösst massiv das Treibhausgas CO2 aus. In einigen Ländern wie etwa Dänemark sind sie deshalb bereits verboten. Erdgasheizungen bilden bereits einen klimafreundlicheren Ersatz, weil sie weniger CO2 ausstossen. Mit einer Wärmepumpe kann sogar ganz auf fossile Energieträger verzichtet werden. Allerdings steht die Wahl des Heizsystems in der Regel nur den Besitzern offen.

Auch beim Strombezug kann der eigene Fussabdruck inzwischen verringert werden. Die Energieunternehmen liefern Strom aus erneuerbaren Quellen, meist für einen kleinen Aufschlag auf den Standardpreis. Hauseigentümer können sich eine eigene Solaranlage auf das Dach setzen. Einige kommunale Energieunternehmen bieten auch Mietern Beteiligungen an Solaranlagen an.

Gerade bei der Energie haben die Bewohner einen grossen Einfluss auf den Verbrauch. Das beginnt schon beim Kauf der Haushaltsgeräte und der Elektronik. So verbrauchen Kühlschrank, Waschmaschine und Geschirrspüler 43 Prozent des gesamten Stroms in einem durchschnittlichen Haushalt. Die Beleuchtung verbraucht weitere 14 Prozent – der Einsatz von LED-Lampen hat also einen Einfluss auf den Stromverbrauch. Unterhaltungselektronik und Computer verbrauchen weitere 10 Prozent. Hier lohnt sich ein Blick auf die Energieetikette.

Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für das eigene Verhalten kann viel bewirken. Der Joghurt im Kühlschrank muss nicht auf 0 Grad hinuntergekühlt werden. Die Waschmaschine und der Geschirrspüler müssen nicht halbleer laufen. Der Fernseher kann ausgestellt werden, wenn niemand im Zimmer ist. Nicht alle Geräte müssen ständig auf „stand by“ laufen, nicht jedes Licht muss ständig brennen. Inzwischen gibt es vernetzte Lösungen, mit denen einige oder alle mit Strom betriebenen Geräte und Anlagen im Haushalt reguliert werden können.

Die grösste Wirkung kann allerdings bei der Heizung erzielt werden. Im Winter muss nicht auf 24 Grad geheizt werden. Wer in einem Minergiegebäude wohnt, kann sich auf die automatische Lüftung verlassen. Sonst gilt: Rasches und starkes Lüften ist besser als offene oder gekippte Fenster über eine lange Zeit. Auch der Verbrauch von Warmwasser liegt in der Hand der Bewohner. Generell gilt: Wer bewusster wohnt, kann seinen Umweltverbrauch einschränken, ohne an Wohn- und Lebensqualität einzubüssen.

Letzte Änderung 17.07.2015

Zum Seitenanfang

https://www.gruenewirtschaft.admin.ch/content/grwi/de/home/Warum_Gruene_Wirtschaft/ressourcenverbrauch-beeinflussen-als-konsument/sanfter-wohnen.html