Klüger von A nach B

Alptransit
© BAFU (Fotograf: Theodor Stalder).

Mobilität für alle ist eine der grossen Errungenschaften der Gegenwart. Eine räumliche Trennung von Arbeit und Wohnen, Freizeiterlebnisse ausserhalb des eigenen Wohnorts, Ferienreisen im In- und Ausland und selbst die grosse Weltreise – das alles gehört inzwischen zum Alltag für viele. Die selbstgestaltete Mobilität macht einen wesentlichen Teil des Wohlstands der Schweizerinnen und Schweizer aus. Wenn diese Mobilität die Umwelt und das Klima weniger belasten soll, muss sie klüger gestaltet werden.

Die älteste Form von Mobilität ist immer noch die umweltschonendste. Wer zu Fuss geht, verbraucht keine Ressourcen und stärkt nebenbei noch seine Gesundheit. In der kleinteiligen Schweiz sind viele Ziele durchaus zu Fuss zu erreichen – ob Arbeitsplatz, Schule, Supermarkt oder Freizeitgelegenheit. Und wer es etwas weiter hat, kann auch zum Velo greifen. Velowege laden bereits vielerorts zum sogenannten Langsamverkehr ein.

Wer weitere Wege zurücklegen muss, kann auf ein engmaschiges Netz des öffentlichen Verkehrs zurückgreifen. Jede Stadt und jede grössere Gemeinde bietet inzwischen für praktisch jedes Quartier Busse und Trams an. Diese Netze wurden in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut und die bestehenden Angebote immer besser verknüpft. Der Verzicht auf das eigene Auto wird damit leicht gemacht.

Der öffentliche Verkehr ist dem privaten motorisierten Verkehr im Ressourcenverbrauch noch immer überlegen, trotz sparsamerer Autos. Und er bietet oft mehr Komfort: Zwischen den grösseren Städten ist die Bahn meist schneller als das Auto. Dank dem Taktfahrplan und den Fahrplanspinnen an den grossen Bahnhöfen sowie dem Netz von Postautos können auch kleinere und kleine Gemeinden gut und schnell erreicht werden.

Wer ein Auto braucht, sollte auf den Verbrauch achten. Die Hersteller haben in den vergangenen Jahren auf Druck der Politik massive Fortschritte gemacht. Der durchschnittliche CO2-Verbrauch der in der Schweiz erhältlichen Fahrzeugtypen ist von 188 Gramm je Kilometer im Jahr 2005 auf 130 Gramm im 2015 gesunken. Dabei kann niedriger Verbrauch mit hohem Komfort zusammenpassen. Und wer sich von Benzin und Diesel ganz verabschieden will, kann auf Erdgasautos mit ihrem niedrigeren CO2-Ausstoss oder sogar auf Elektroautos und Strom aus Fotovoltaik setzen. Die Palette der Anbieter wird immer breiter.

Wer nur gelegentlich ein Auto braucht, kann auch auf Carsharing-Angebote zurückgreifen. So ist die Genossenschaft Mobility einer der Pioniere des Autoteilens weltweit. Ihre Fahrzeuge stehen heute dank einer Zusammenarbeit mit den SBB an vielen Bahnhöfen und bieten damit eine optimale Koordination mit dem öffentlichen Verkehr.

In einer zunehmenden Anzahl von Unternehmen ist es möglich, auch von zuhause aus arbeiten. Damit kann die mit der Arbeit verbundene Mobilität gesenkt werden. Das erlaubt eine konzentriertere Arbeit, da Störungen am Arbeitsplatz wegfallen, und gleichzeitig eine bessere Verbindung von Arbeit und Familie. Und: Muss man denn immer im Stossverkehr zur Arbeit fahren? Wer es sich leisten kann, etwas früher oder etwas später zur Arbeit zu fahren, hilft zugleich, die gemeinsame Ressource Platz – ob in der Bahn oder auf der Strasse – besser zu nutzen.

Wer auf seine Mobilität in der Freizeit achtet, kann am meisten bewegen. Denn der Freizeitverkehr macht mit 40 Prozent den grössten Posten der Schweizer Mobilitätsstatistik aus. In Kilometern gerechnet findet der Freizeitverkehr sogar zu 67 Prozent im Auto statt. Entsprechend stauanfällig sind viele Autobahnabschnitte gerade am Wochenende. Wer stattdessen ein Freizeitziel wählt, das näher liegt, oder die Bahn nimmt, hat mehr von seiner Freizeit und schont die Umwelt.

Flugreisen bilden diejenige Form von Mobilität, welche die Umwelt am meisten belastet. Dennoch nehmen immer mehr Schweizerinnen und Schweizer den Flieger. Dabei geht der Grossteil der Flugreisen von Schweizer Flughäfen – 78 Prozent – nach Europa. Ein guter Teil könnte also auch mit einem anderen Transportmittel erfolgen, mit der Bahn oder dem Reisebus. Anders als bei den anderen Formen von Mobilität gibt es auch keine umweltschonendere Form des Fliegens. Wer auf den Flieger verzichten kann, sollte es daher tun.

Die Alternative zu Flugreisen ist auch im Geschäftsleben möglich. International tätige Unternehmen vernetzen ihre Mitarbeiter heute oft bereits virtuell. Lösungen für Telefonkonferenzen sind bereits heute in vielen Büros Standard. Spezielle Räume für Videokonferenzen ermöglichen schon heute über Zeitzonen hinweg den Eindruck, als sässen die Gesprächspartner gegenüber. Dieser virtuelle Ersatz von Geschäftsreisen erhöht die Produktivität der Mitarbeiter.

Wer nicht auf den Flieger verzichten kann, sollte seine Flugreise wenigstens kompensieren. Private Anbieter wie Atmosfair.de oder myclimate bieten Produkte, bei denen Passagiere den Ausstoss von CO2 kompensieren können, den sie selbst verursacht haben. Die Mittel fliessen in Projekte, mit denen der CO2-Verbrauch andernorts gesenkt wird.

Der kluge Mix von Mobilität ist wichtig. Die Schweizerinnen und Schweizer können jeweils diejenige Form wählen, welche die Umwelt am wenigsten belastet – zu Fuss, im Zug oder auch virtuell.

Letzte Änderung 20.10.2015

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