Bewusster ernähren

Iluminación Philips Consum Pobla de Farnals
© Philips Communications: "Iluminación Philips Consum Pobla de Farnals". www.flickr.com (CC BY-NC-ND 2.0).

Ernährung ist ein völkerrechtlich verankertes Menschenrecht – und in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit.

Die letzte grosse Hungersnot liegt hier zwei Jahrhunderte zurück. Heute herrscht eher ein Überangebot. Die Konsumentinnen und Konsumenten sind es gewohnt, fast jedes Nahrungsmittel zu fast jeder Zeit zu bekommen. Sie greifen dabei auch auf die Ressourcen im Ausland zurück. Rund die Hälfte der Nahrungsmittel wird laut dem Schweizerischen Bauernverband importiert. Deutlich mehr als die Hälfte der mit der Ernährung verbundenen Umweltbelastung fällt im Ausland an, unter anderem wegen der mit den Importen verbundenen Transporten. Wenn die Schweizerinnen und Schweizer ihren globalen Fussabdruck verringern wollen, kommen sie an Veränderungen in der Ernährung nicht vorbei. Die Bereitstellung von Nahrungsmitteln löst die mit Abstand grösste Belastung im Konsumbereich aus.

Die Verringerung des Abfalls ist die einfachste Art, den Fussabdruck zu verkleinern. Diese Grundregel für die Ressourceneffizienz gilt auch für die Ernährung. Laut der Studie „Erhebung der Kehrrichtzusammensetzung 2012“ des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) enden 250‘000 Tonnen genusstaugliche Nahrungsmittel im Hauskehricht. Dabei wären Nahrungsmittelabfälle leicht zu vermeiden, wenn man nur so viel einkauft, wie man benötigt. Wenn doch etwas übrigbleibt, können die meisten Gerichte für die nächsten Tage aufgehoben und aufgewärmt werden. Auch der Blick auf die Haltbarkeitsdaten muss nicht dazu führen, scheinbar abgelaufene Lebensmittel wegzuwerfen. Die Daten geben die Mindesthaltbarkeit an. Die Lebensmittel können auch darüber hinaus geniessbar sein.

Die Verringerung des Konsums tierischer Nahrungsmittel entlastet unseren Ressourcenverbrauch mit Abstand am meisten. Wer völlig auf Fleisch verzichtet, kann seine mit der Ernährung verbundene Umweltbelastung um 37 Prozent verringern. Die heutige Fleischproduktion verbraucht grosse Flächen für den Anbau von Futtermitteln und produziert grosse Mengen Treibhausgas. Auch wer nicht völlig verzichten will, kann etwas bewirken: Die Umweltbelastung einer fleischlosen Kantinenmahlzeit beträgt nur ein Drittel einer Kantinenmahlzeit mit Fleisch. Wer nur ein bis zweimal wöchentlich Fleisch ist, tut auch seiner Gesundheit etwas zuliebe: Dies ist die von Medizinern heute empfohlene Menge.

Ein bewusster Umgang mit Genussmitteln senkt auch den Ressourcenverbrauch. Die Diskussionen über den Genuss von Alkohol, Kaffee und Schokolade werden heute von Gesundheitsargumenten geprägt. Sie haben aber auch einen massgeblichen Einfluss auf die Umwelt: Gemäss einer Studie von ESU-Services aus dem Jahr 2012 tragen Genussmittel wie Kaffee, Schokolade und Alkohol im Ernährungsbereich mit 19% zur Umweltbelastung bei. Wer seine Umweltbelastung in diesem Bereich senken will, achtet auf Kaffee und Schokolade, die unter fairen Bedingungen produziert wurden und geniesst Wein mit Mass.*

Der Genuss von Bioprodukten kann die eigene Umweltbelastung verringern. Wer sich das ganze Jahr nur mit Bioprodukten ernährt, kommt gemäss einer Studie im Auftrag des Bundesamts für Umwelt von 2012 über die Umweltbelastungen des privaten Konsums und die Reduktionspotentiale auf eine Umweltbelastung von 4,2 Millionen Umweltbelastungspunkten (UBP). Wer sich durchschnittlich ernährt, erreicht knapp 5 Millionen UBP. Bioprodukte senken die Belastungen der Böden durch Pflanzenschutzmittel, verbrauchen aber mehr Fläche. Sie werden nicht in geheizten Treibhäusern angebaut und dürfen gemäss den Kriterien wichtiger Biolabels wie Bio Suisse, Coop Naturaplan und Migros Bio nicht eingeflogen werden. Das Biogemüse auf dem Teller kompensiert dennoch nicht die Umweltbelastung des Stücks Fleisch daneben.

Saisonale Produkte verringern die Belastungen durch Treibhäuser. Wer isst, was die Saison hergibt, der braucht keine beheizten Treibhäuser und keine frisch eingeflogenen Früchte. Erdbeeren oder Spargeln in der Saison belasten die Umwelt nur wenig, ausserhalb der Saison sehr stark. Karotten und Lauch dagegen belasten die Umwelt das ganze Jahr hindurch wenig. Ein Blick in Grossmutters Kochbuch mag da helfen: Was sie für den Winter empfohlen hat in einer Zeit, in der in der Küche noch Jahreszeiten herrschten, das kann auch heute noch unbedenklich in der kalten Jahreszeit gekauft werden. Doch auch wer sich daran hält und nur saisonal und regional einkauft: Nichts geht bei der Verringerung des Ressourcenverbrauchs über ein Stück Fleisch – das durch eine vegetarische Alternative ersetzt wird.

 

*Anmerkung der Redaktion

Dieser Text wurde am 01.10.2015 angepasst: Die Redaktion des Dialogportals Grüne Wirtschaft hat den im Meinungsbeitrag von Urs Furrer (Chocosuisse) angesprochene Absatz (siehe unten) überprüft. Weil er missverstanden werden konnte, haben wir den Absatz korrigiert und die Quelle zusätzlich direkt im Text verlinkt. Der Absatz lautete ursprünglich:

"Ein bewusster Umgang mit Genussmitteln senkt auch den Ressourcenverbrauch. Die Diskussionen über den Genuss von Alkohol, Kaffee und Schokolade werden heute von Gesundheitsargumenten geprägt. Aber wer auf diese Verlockungen verzichtet, kann gleichzeitig auch die Umweltbelastung durch seine Ernährung um 19 Prozent senken. Und auch hier gilt: Die gute Tat kann klein beginnen. Man muss nicht jeden Tag Wein trinken. Der Teller mit der Schokolade muss nicht auf dem Bürotisch stehen. Und der Kaffee kann auch durch andere Getränke ersetzt werden."

Der Absatz wurde wie folgt geändert und ergänzt:

"Ein bewusster Umgang mit Genussmitteln senkt auch den Ressourcenverbrauch. Die Diskussionen über den Genuss von Alkohol, Kaffee und Schokolade werden heute von Gesundheitsargumenten geprägt. Sie haben aber auch einen massgeblichen Einfluss auf die Umwelt: Gemäss einer Studie von ESU-Services aus dem Jahr 2012 tragen Genussmittel wie Kaffee, Schokolade und Alkohol im Ernährungsbereich mit 19% zur Umweltbelastung bei. Wer seine Umweltbelastung in diesem Bereich senken will, achtet auf Kaffee und Schokolade, die unter fairen Bedingungen produziert wurden und geniesst Wein mit Mass."

Letzte Änderung 15.10.2015

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