Anders produzieren – anders konsumieren

Bäckerei St. Gallen

Die Schweiz hat ein hohes Niveau des Wohlstands erreicht. Dieses hohe Niveau kann sie sichern, wenn sie den Ressourcenverbrauch senkt. Die Wirtschaft hat dies in den vergangenen Jahren bereits vorgemacht: Sie hat begonnen, ihr Wachstum von der Zunahme des Ressourcenverbrauchs zu entkoppeln. Qualitatives Wachstum schafft den Wohlstand der Zukunft.

Das gleiche gilt auch für den Konsum. Er ist kein Selbstzweck. Die Lebensqualität kann steigen, auch wenn der Ressourcenverbrauch tendenziell wieder sinkt. An die Stelle eines quantitativen Wachstums des Konsums, bei dem wir immer mehr verbrauchen, kann das qualitative Wachstum treten. Lebensqualität hängt nicht von der Menge der Ressourcen ab, sondern vor allem von der Art, wie wir konsumieren.

Dazu ist es sinnvoll, bewusst zu konsumieren. Welchen Fussabdruck hinterlassen ich und meine Familie bei der Ernährung? Wie viel Ressourcen verbraucht meine und unsere Art zu wohnen? Wie viel Mobilität nehmen wir in Anspruch? Fussabdruckrechner können dabei helfen, ein kurzes Innehalten wäre schon ein erster Schritt. Denn an vielen Stellen können kleine Änderungen im Alltag bereits einiges verändern. Eine Energiesparlampe als Ersatz für die kaputte Glühbirne kostet im wöchentlichen Einkaufskorb nicht viel, spart aber über Jahre zuverlässig Energie.

Die Hersteller bieten für die vielen kleinen Konsumentscheidungen bereits zahlreiche Hilfsmittel. Das reicht von den Biolabels für das Gemüse und das Fleisch oder das MSC-Label für Fische im Supermarkt über die Energieetikette für Haushaltsgeräte und das FSC-Label für Holzprodukte bis hin zur Angabe des CO2-Ausstosses bei Neuwagen. Der bewusste Einkauf wird heute leichter gemacht.

Dabei gilt die gute alte Tugend: Qualität geht vor Quantität. Manchmal kann das bessere Produkt auch etwas teurer sein, aber dafür hält es dann auch länger und kann im besten Fall sogar repariert werden. Heimische Produkte kosten oft etwas mehr, aber damit bleibt die Wertschöpfung hier. Indirekt nutzt das allen.

Manche Formen des ressourcenschonenderen Konsums liegen heute bereits voll im Trend. Wenn es wieder modern ist, in den Städten zu wohnen, dann bremst das die Zersiedlung. Wenn das neue Smartphone wichtiger ist als das erste eigene Auto, dann verbraucht auch das kostbare Ressourcen – aber doch wesentlich weniger. Auch der Yogakurs in den Alpen kann weniger ressourcenintensiv sein als der Strandurlaub am andern Ende der Welt. Und der Home Office Day hilft, Beruf und Familie in Einklang zu bringen.

Ein ressourcenschonender Konsum braucht einen gesellschaftlichen Dialog. Denn viele Konsumentscheidungen hängen auch von den Rahmenbedingungen und dem Angebot ab. Es ist an den Bürgerinnen und Bürgern jeder einzelnen Gemeinde und jeder Region zu entscheiden, welchen öffentlichen Verkehr sie wollen. Dieses Angebot wiederum beeinflusst die Konsumentinnen und Konsumenten in ihrer Entscheidung, ob sie auf das eigene Auto verzichten. Und wiederum fordert die Nachfrage der Konsumentinnen und Konsumenten die Produzenten heraus, ressourcenschonende Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen. So sind heute biologische und regionale Produkte in den Supermärkten gut vertreten.

Die Hebelwirkung der Konsumentinnen und Konsumenten ist dabei gross. Sie entscheiden, welche Produkte den Durchbruch schaffen. Ein gutes Beispiel ist der Erfolg der Stromvelos wie etwa Flyer, die immer dann einen ökologischen Nutzen haben, wenn sie helfen, Autofahrten zu vermeiden: Mitten in der Wirtschaftskrise von 2008 und 2009 hatte diese Form von Mobilität Rückenwind. Inzwischen sind sie etabliert. Ein anderes Beispiel ist der Minergie-Standard: Entstanden als ein Standard für Pioniere der Energieeffizienz, ist er inzwischen zu einem der erfolgreichsten freiwilligen Standards der Gebäudeeffizienz weltweit geworden.

Die Hebelwirkung reicht weit über die Schweiz hinaus. Der Grossteil der Produkte, die wir hier konsumieren, wird global produziert. Die Anforderungen, die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten stellen, fliessen in die Produktion in den Herstellerländern ein. Wenn Coop einer europäischen Allianz von Einzelhändlern angehört, die von ihren Zulieferern ein Mindestmass von fairen Arbeitsbedingungen abfordert, dann verändert das die Lebensverhältnisse in den oft sehr armen Herstellerländern nachhaltig.

Qualitatives Wachstum heisst, den eigenen Konsum so zu gestalten, dass er im Einklang steht mit dem, was die Natur auch auf Dauer geben kann. Ressourcenschonender Konsum verlangt einen offenen Blick auf die Art, wie wir konsumieren. Nur so kann die eigene Lebensqualität nachhaltig gesichert und verbessert werden. Als Konsumenten entscheiden wir mit darüber, ob unser Konsum der Natur schadet. Die Schweiz ist ein lebenswertes Land. Das soll sie auch für die kommenden Generationen sein.

Letzte Änderung 12.08.2016

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