Wirtschaft und Umwelt können gemeinsam gewinnen

Sabine Krattiger (links), CEO der Elektronik-Recyclingfirma Immark, und Bundesrätin Doris Leuthard, anlässlich der Firmenbesichtigung.
© Béatrice Devènes / BAFU

Ressourcen schonen als Antwort auf Megatrends. Der Druck auf die natürlichen Ressourcen, eine wachsende Weltbevölkerung, demografischer Wandel, die Urbanisierung, die Digitalisierung und Automatisierung sowie sich ändernde Ernährungsgewohnheiten sind aktuelle Megatrends, die uns vor gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen stellen. Es stellt sich die Frage, wie wir gute Leben und wirtschaftlich erfolgreich sein können, ohne dabei die natürlichen Ressourcen zu übernutzen, beispielsweise in Form von Klimawandel oder Zerstörung der Biodiversität.

Die Schweiz kann wirkungsvolle Antworten auf die Megatrends im Ressourcenbereich geben. Sie hat grosse Erfahrungen im schonenden Umgang mit der Natur. Ob bei der Versorgung mit sauberen Trinkwasser und der Aufbereitung der Abwässer, ob bei der Verwertung der Siedlungsabfälle, ob bei den Massnahmen zur Reinhaltung der Luft – die Schweiz hat grosse Anstrengungen unternommen im Inland die Nebenwirkungen der Industrialisierung einzudämmen. Mit der Grünen Wirtschaft im Sinn des Aktionsplanes Grüne Wirtschaft des Bundesrates überträgt die Schweiz die Prinzipien, von denen sich frühere Generationen leiten liessen, auf die moderne Wirtschaft. Die Schweiz kann nur dann in Wohlstand leben, wenn sie im In- und Ausland die Belastbarkeitsgrenzen respektiert, die von der Natur gesetzt werden.

Die Grüne Wirtschaft ist vielerorts schon Realität. Hinter jeder Errungenschaft des Umweltschutzes stehen Unternehmen, welche die dazu erforderlichen Technologien, Produkte und Dienstleistungen entwickelt haben. Der daraus hervorgegangene Cleantech–Bereich (siehe Info-Kasten unten) gehört global zu den wachstumsstärksten Bereichen der Wirtschaft, weil die Nachfrage nach Umwelttechnologie weltweit stark zunimmt.

Der schonende Umgang senkt die Abhängigkeit von Ressourcen. Rund die Hälfte aller in der Schweiz verbrauchten Materialien wird aus dem Ausland eingeführt. Zahlreiche Branchen sind von Ressourcenimporten abhängig. Sie sind für ihre hochspezialisierten Produkte darauf angewiesen, dass sie einen ungehinderten Zugang zu einer ganzen Reihe von Rohstoffen haben. Ein sparsamerer Umgang mit den Ressourcen senkt die Kosten und verringert die Abhängigkeit. Produkte und Dienstleistungen, die selber zur Senkung des Ressourcenverbrauchs beitragen, können einen Vorteil im Markt haben.

Ressourcen im Kreislauf behalten, lohnt sich. Die Wiederverwertung von Materialien und die Kreislaufwirtschaft erlauben es, die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen. Was früher Abfall war, kann so zum Rohstoff werden. Sichtbar wird das etwa in der Bauwirtschaft. Durch die Wiederverwertung von Kies aus Aushubmaterial kann sie gleichzeitig wertvolles Material gewinnen und Engpässe bei der Ablagerung von Aushubmaterial beseitigen.

Auch bei Metallen wird aus Abfällen eine Ressource. Sichtbar wird das auch bei Elektronikschrott. Die Entsorgung in der Schweiz funktioniert bereits gut. So wurden 2013 insgesamt 131.000 Tonnen Elektronikschrott zur Entsorgung abgegeben. Das sind 16 Kilogramm pro Kopf. Die EU hat für ihre 28 Mitgliedsländer das Ziel formuliert, 4 Kilogramm pro Kopf und Jahr wiederzuverwerten. Die Rückgewinnung von Metallen lohnt sich. So kommt etwa Gold in Mobiltelefonen und Computern in höherer Konzentration als in Goldminen vor. Das Baustoffunternehmen Eberhard in Kloten gehört zu den Pionieren der Rückgewinnung von Metallen aus Schlacken von Kehrrichtverbrennungsanlagen.

Auch Dienstleistungen können zur Steigerung der Ressourceneffizienz beitragen. So verlängert Sulzer die Lebensdauer von Gasturbinen, indem er Ersatzteile entwickelt und herstellt, die mit Originalteilen kompatibel sind. Das erleichtert die Wartung und senkt deren Kosten. Die Kunden profitieren von kürzeren Wartungszeiten und damit ebenfalls niedrigeren Kosten.

Eine Grüne Wirtschaft braucht Innovationen – die Schweiz hat dabei gute Karten. Mit ihrem Netz von Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen und anderen spezialisierten Forschungseinrichtungen deckt sie ein breites Feld im Umgang mit natürlichen Ressourcen ab. Instrumente wie die Förderung der Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen durch die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) stellen sicher, dass sich die Forschung nahe an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausrichtet. Das BAFU unterstützt mit der Umwelttechnologieförderung die Entwicklung von Produkten, Technologien und Verfahren welche die Umwelt entlasten, das BFE fördert mit dem Leuchtturm- sowie Pilot- und Demonstrationsprogramm die Entwicklung innovativer Energietechnologien und die Verbesserung der Energieeffizienz. Gezielte Initiativen einzelner Forschungseinrichtungen ermöglichen die Bündelung der Kräfte vieler Forschungsrichtungen.

Der schonende Umgang mit den eigenen Ressourcen stärkt den guten Ruf der Schweiz. Die Schweiz spielt bereits seit langem eine wichtige Rolle bei den internationalen Bemühungen, die Natur zu schützen und die natürlichen Ressourcen zu bewahren. Beispielsweise ist sie Sitzstaat mehrerer Umweltkonventionen, der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN), welche die Rote Liste der bedrohten Arten herausgibt und des Weltklimarats (IPCC), der mit seinen Sachstandsberichten zum Klimawandel die wissenschaftlichen Grundlagen für eine internationale Klimapolitik legt. Auch private Organisationen wie der World Wide Fund for Nature (WWF) und der Club of Rome haben die Schweiz als ihre Heimat gewählt – eine Referenz an die Schweiz und ihren Ruf.

Der gute Ruf der Schweiz zahlt sich aus. Nicht nur der Tourismus profitiert davon, dass die Schweiz mit einer intakten Natur und einer funktionierenden Infrastruktur verbunden wird. Werte wie Qualität und Präzision, aber auch Sauberkeit und Pünktlichkeit zeugen von einem respektvollen Umgang mit der Umwelt ebenso wie mit den eigenen Kunden. Diese Werte werden mit Schweizer Produkten und Dienstleistungen verbunden. Sie gehören zu den Stärken der exportorientierten Wirtschaft. Die Schweiz hat daher ein starkes Interesse, ihren guten Ruf zu pflegen.

Cleantech als Motor der Schweizer Wirtschaft

Zwischen 2000 und 2017 ist die Cleantech-Branche – also der Sektor der «sauberen» Technologien – schneller gewachsen als die Schweizer Gesamtwirtschaft, und zwar sowohl in Bezug auf die Wertschöpfung als auch im Hinblick auf die Arbeitsplätze: In dieser Zeit hat sich die Wertschöpfung dieses Sektors von 16,6 auf 31,3 Milliarden Franken praktisch verdoppelt, der Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) erhöhte sich von 3,6 auf 4,7 Prozent, und die Zahl der Arbeitsplätze stieg von 130 000 auf 220 000 Vollzeitäquivalente (+67 %) beziehungsweise von 3,8 auf 5,4 Prozent der Gesamtbeschäftigung. Ihre Dynamik verdankt die Branche in erster Linie den Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Produktion erneuerbarer Energien sowie der energetischen Sanierung des Gebäudeparks, wozu neben der Isolierung bestehender Bauten auch die Errichtung zertifizierter Gebäude mit niedrigem Energieverbrauch zählt.

 

Letzte Änderung 27.05.2019

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