Die Belastbarkeit des Planeten hat Grenzen

Over Rapid Creek - Colourliciousness
© Charles Rantz Strebor, "Over Rapid Creek - Colourliciousness". www.flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0).

Unser Überleben hängt von den Leistungen der Natur ab. Die Natur stellt bisher zahlreiche Güter und Dienstleistungen gratis zur Verfügung. Dazu gehört die Luft zum Atmen ebenso wie das Wasser zum Trinken. Dazu zählen die Biodiversität, ein ausreichendes Angebot an Nahrungsmitteln und ein lebensfreundliches Klima. Wir verstehen in vielen Fällen nicht im Detail, wie die Natur diese Ökosystemleistungen „herstellt“. Wir wissen aber, dass von diesen Leistungen unser Überleben und unser Wohlbefinden abhängen.

Die Menschheit hat die Grenzen der Belastbarkeit der Natur in mehreren Bereichen bereits überschritten. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, die unter der Leitung des Stockholm Resilience Center erarbeitet und 2009 erstmals veröffentlicht worden ist. Eine Aktualisierung der Studie wurde im Januar 2015 am Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt. Die Studie hat neun komplexe biophysikalische Prozesse untersucht, die das Gleichgewicht der Natur steuern. Sie stellte fest, dass die Eingriffe des Menschen sich zum Beispiel beim Klima oder der Biodiversität dem Punkt nähern, bei dem die Natur aus dem Gleichgewicht gerät – mit Folgen, die sich wissenschaftlich nicht mehr voraussagen lassen und die von der Menschheit kaum noch bewältigt werden können.

Pionier-Studie zeigt den Einfluss der Schweiz auf

Ein vom Bundesamt für Umwelt BAFU beauftragtes Team von Forscherinnen und Forscher von UNEP/GRID-Geneva und der Universität Genf hat 2015 in einer Studie gezeigt, wie weit die Fussabdrücke der Schweiz mit den planetaren Belastbarkeitsgrenzen vereinbar sind. In der Studie «Naturverträgliches Mass und Schweizer Fussabdrücke» entwickelten die Studien-Autoren neue, bislang noch nicht untersuchte Ansätze und leisteten damit Pionierarbeit. Die Resultate der Studie zeigen, dass für die Schweiz die Fussabdrücke für Klimawandel (CO2 und andere Treibhausgase), Ozeanversauerung (ebenfalls verursacht durch CO2-Emissionen), Stickstoff (Überdüngung) und Biodiversitätsverlust besonders kritisch sind.

BAFU: Faktenblatt zur Studie (PDF, 108 kB, 09.07.2015)

BAFU: Kurzfassung der Studie (PDF, 818 kB, 09.07.2015)

BAFU: Originalstudie (EN) (PDF, 3 MB, 09.07.2015)

Der Klimawandel ist der derzeit sichtbarste Ausdruck einer Übernutzung der Natur. Er gefährdet die Fähigkeit der Natur, die Temperatur des Planeten im Gleichgewicht zu halten. Die Natur hat während Millionen Jahren der Atmosphäre Kohlendioxid entzogen und es in Form von Kohle, Öl und Erdgas im Boden gespeichert. Die darauffolgende Abkühlung der Atmosphäre hat das lebensfreundliche Klima, in dem wir heute leben, erst möglich gemacht. Der Mensch hat innerhalb von wenigen Jahrzehnten diesen Prozess umgedreht. Der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre ist von etwa 280 ppm (Abkürzung von englisch parts per million, Teile einer Million) auf 385 ppm angestiegen. Diese Entwicklung muss drastisch gebremst werden, wenn die Menschheit nicht mit unkontrollierbaren Folgen konfrontiert sein will.

Bei der Biodiversität ist die Leistungsfähigkeit der Natur bereits überschritten. Das Aussterben von Arten gehört zum Lauf der Natur. Aber seit dem Eingriff der Menschheit hat sich die Rate, mit der Arten aussterben, drastisch erhöht. Die Forschenden um das Stockholm Resilience Center stellen die Gegenwart bereits in eine Reihe mit den fünf Phasen katastrophalen Artensterbens – die bekannteste dieser Phasen ist das plötzliche Aussterben der Dinosaurier im Tertiär. Laut der Internationalen Naturschutzunion in Gland VD, der Herausgeberin der Roten Listen, sind 41 Prozent aller Amphibienarten, 33 Prozent aller Korallenarten und 25 Prozent aller Säugetiere vom Aussterben bedroht. Die Menschheit lebt auf Kosten der anderen Lebewesen dieses Planeten.

Auch beim Stickstoff ist die Natur übernutzt. Stickstoff macht zwar 78 Prozent der Atmosphäre aus, wird aber erst seit rund einem Jahrhundert intensiv als Düngemittel genutzt. Die Natur kommt mit dem Abbau nicht nach, zeigen die Forscher um das Stockholm Resilience Center. Biologisch aktiver Stickstoff gelangt in grossen Mengen in die Luft, die Böden, die Oberflächengewässer sowie ins Grundwasser. Er beeinträchtigt die menschliche Gesundheit, das Klima, die Biodiversität, den Wald und das Trinkwasser. Das Düngemittel Stickstoff beginnt die Natur zu ersticken. Ähnliches gilt beim Phosphor. Was als Mittel begann, um die Erde fruchtbarer zu machen, könnte die Welt eines Tages unfruchtbar machen.

Der Verbrauch von Land und Frischwasser nähert sich den Grenzen der Belastbarkeit. In beiden Fällen sehen die Forschenden um das Stockholm Resilience Center noch Spielraum. Das gleiche gilt für die Versauerung der Meere. Doch dieser Spielraum dürfte in den nächsten Jahrzehnten enger werden, um eine wachsende Menschheit zu ernähren.

Die Natur kennt keine Landesgrenzen. Es ist wichtig, die Umwelt im eigenen Land zu schützen und hier sparsam mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Dabei muss aber auch beachtet werden, dass viele Folgen unseres Tuns im Ausland anfallen – und die Schweiz auch davon abhängt, wie andere Länder mit den knappen Ressourcen umgehen. Die Schweiz muss sich daher auch international engagieren, damit der Natur nicht noch mehr unwiderruflicher Schaden zugefügt wird.

Viele Ressourcen sind endlich und könnten knapp werden

Alle Ressourcen, die sich nicht erneuern lassen, werden eines Tages erschöpft sein. Die Schweiz als ein Land, das über wenige natürliche Rohstoffe verfügt, ist davon besonders betroffen. Sie bezieht diese Rohstoffe heute aus aller Welt. Das geschieht zum einen direkt durch den Import der Rohstoffe selbst, etwa von Energieträgern, Futtermitteln oder Metallen. Zum anderen geschieht es indirekt über den Import von Gütern, die mit natürlichen Ressourcen in anderen Teilen der Welt hergestellt worden sind, von Nahrungsmitteln bis zu Mobiltelefonen. Die Verknappung oder gar der Wegfall natürlicher Ressourcen irgendwo auf der Welt hat daher Folgen auch für die Schweiz und ihren Wohlstand.

Wichtige Metalle wie Zink, Gold und Indium können nur noch etwa zwei Jahrzehnte im bisherigen Umfang abgebaut werden – so weit reichen die bekannten Reserven. Das gleiche gilt für den wichtigen mineralischen Rohstoff Phosphor. Kupfer reicht noch für vier Jahrzehnte, ebenso wie konventionelles Erdöl. Neue Fördermethoden sind oft mit höheren Kosten und Belastungen für die Umwelt verbunden. Die steigenden Nahrungsmittelpreise im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts machten deutlich, dass auch die Ressource Ackerland endlich ist. Die Schweiz wird von ausländischen Ressourcen abhängig bleiben. Ein effizienter Umgang mit ihnen erhöht die Versorgungssicherheit und sichert Wohlstand.

Letzte Änderung 15.10.2015

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