Kreislaufgeschäftsmodelle - So wird Kreislaufdesign zur Goldgrube

Von Raphael Fasko, 20.04.2016

Antoinette Hunziker-Ebneter

Raphael Fasko ist der Hauptverantwortliche für den Bereich Kreislaufwirtschaft bei der Rytec AG. Sein Ziel ist es aus der Abfallwirtschaft heraus Katalysator für Kreislaufdesign und eine Kreislaufwirtschaft zu sein. Er hat als Jungunternehmer die Produkttransparenzplattform codecheck.info mitaufgebaut und ist studierter Umweltnaturwissenschaftler der ETH Zürich.

raphael.fasko@rytec.ch

Vor gut 25 Jahren wurde unter dem Begriff «Cradle to Cradle» die Vision von Produkten lanciert, welche am Ende ihres Lebens nicht Abfall werden. Seither wurde viel geforscht und entwickelt und es sind tausende von kreislauffähigen Produkten auf den Markt gebracht worden. Für viele Produktegruppen konnte gezeigt werden, dass der Rohstoffkreislauf auch bei modernen, industriellen Produkten geschlossen werden kann. Doch leider hat sich diese Produktionsform in der Breite noch nicht durchgesetzt. Was braucht es für den ökonomischen Erfolg von Kreislaufdesign?

Die Rolle der Geschäftsmodelle

Ein zentraler hinderlicher Faktor ist das heute verbreitete lineare Verkaufsgeschäftsmodell: Der Hersteller tritt das Eigentum am Produkt an den Kunden ab. Investiert der Hersteller nun in Kreislaufdesign, kreiert er einen Mehrwert, von dem er selbst nicht direkt profitieren kann. Dieser fällt erst später in der Wertschöpfungskette an. Setzt der Hersteller z.B. kreislauffähige Materialien ein, profitiert davon der Recycler und über die einfache Reparierbarkeit eines Produktes freut sich der Besitzer und Servicetechniker. Der Hersteller selber profitiert selten direkt vom Kreislaufdesign und so lassen sich Investitionen in solches Design ökonomisch schwer rechtfertigen.

Es braucht also starke ökonomische Anreize und eine neue Denkweise. Kreislaufgeschäftsmodelle können beides bieten. Im Auftrag der Schweizer Stiftung für Nachhaltige Entwicklung «sanu durabilitas» und mit Unterstützung des Bundesamts für Umwelt BAFU hat die Rytec AG die Studie «Geschäftsmodelle zur Förderung einer Kreislaufwirtschaft» erarbeitet. Anhand der folgenden Fallbeispiele konnten wir aufzeigen, mit welchen Geschäftsmodellen Unternehmen in der Kreislaufwirtschaft profitieren und wo die Hindernisse und Fördermöglichkeiten für solche Geschäftsmodelle liegen.

Miet- und Leasingmodelle

Das niederländische Unternehmen Desso setzt bei seinen Teppichen auf kreislauffähige Materialien, welche vollständig für die Produktion des nächsten Teppichs eingesetzt werden können. Die Teppiche werden vermietet und danach recycelt. Desso gibt also das Eigentum am Teppich nicht ab und verfügt damit über ein Rohstofflager beim Kunden. Der Mehrwert im eingesetzten Material sowie die Kostenersparnis durch die einfache Zerlegbarkeit kommen direkt dem Unternehmen zugute. Desso ist ausserdem unabhängiger von volatilen Rohstoffpreisen und profitiert von planbareren Materialkosten.

Wertschöpfungskette Desso
Desso - Vermieteter Teppich
© Raphael Fasko

Dienstleistungsmodelle

Philips bietet «Light as a Service» an. Der Kunde wählt die benötigte Helligkeit am Arbeitsplatz. Die Leuchte, ihre Anordnung, die Montage, Wartung sowie die anfallenden Stromkosten werden von Philips übernommen. Durch eine optimale Beleuchtungsplanung, der Wahl eines effizienten Leuchtmittels und dem Einbau von Präsenzsensoren kann Philips den Stromverbrauch bis zu 70 Prozent reduzieren. Diese Optimierung kommt direkt Philips zugute. Das Angebot lässt sich im Vollkostenvergleich sogar günstiger anbieten, als wenn der Kunde Leuchten kaufen und selber betreiben würde.

Verkaufsmodelle

Auch im Verkaufsmodell gibt es Möglichkeiten, den Mehrwert des Kreislaufdesigns zu integrieren. So belegt der Baumaschinenhersteller Caterpillar Kernkomponenten wie z.B. Motorenblöcke seiner Maschinen mit einem Pfand. Die zurückgewonnenen Teile werden aufgefrischt und als So-gut-wie-neu-Ersatzteile zu 40 bis 60 Prozent des Preises neuer Ersatzteile verkauft. Mit aufgefrischten Komponenten erzielt Caterpillar eine höhere Marge als mit der Produktion von Neuteilen!

Wertschöpfungskette integrieren

Diese Beispiele zeigen, dass die Umstellung der Geschäftsmodelle den Unternehmen eine vertikale Integration entlang der Wertschöpfungskette erlaubt. Die Hersteller können so (Kreislauf-) Produkteeigenschaften direkt in zusätzlichen Ertrag ummünzen. Über den Besitzerhalt können brachliegende Restwerte in den Produkten für die Hersteller aktiviert werden. So können die Angebote im Vergleich der Total Cost of Ownership für den Kunden auch günstiger und als integriertes Dienstleistungspaket angeboten werden.

Kreislaufwirtschaft wird zum Selbstläufer

Die Beispiele zeigen, dass kreislauffähige Produkte für den Hersteller vor allem dann wirtschaftlich interessant sind, wenn das Geschäftsmodell angepasst wird: Wer ein Produkt vermietet, ist zwingend an seiner Langlebigkeit oder Reparierbarkeit interessiert. Aus der unternehmerischen Logik heraus wird in Kreislaufdesign investiert und neue ressourceneffizientere Produkte kommen auf den Markt. Das stimuliert den Einsatz von Kreislaufdesign und die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft als Ganzes. Dies einfach darum, weil Miet- und Dienstleistungsmodelle den wirtschaftlichen Erfolg mit Kreislaufdesign verknüpfen.

Öffentliche Beschaffung und verbesserte Rechtssicherheit

Ein guter Ansatz, um Kreislaufgeschäftsmodelle in der Schweiz zu fördern, besteht neben der Einrichtung von Kompetenz- und Forschungszentren darin, in der öffentlichen Beschaffung solche Angebote wie z.B. Light as a Service explizit nachzufragen oder sogar zu bevorzugen. Zudem muss der rechtliche Rahmen für die Haftung und den Besitz z.B. im Konkursfall in Miet- und Leasingmodellen optimiert und mehr Rechtssicherheit geschaffen werden.

Kreislaufwirtschaft als Chance

Speziell für den Wissens- und Technologiestandort Schweiz besteht eine gute Chance, bei der globalen Innovationswelle zur Kreislaufwirtschaft mit dabei zu sein und sich Marktanteile zu sichern. Jedoch muss das Thema in der Schweiz verstärkt als Wachstumschance wahrgenommen werden und Unternehmen müssen den Mut haben, über das klassische Verkaufsmodell hinaus zu experimentieren. Die Phase der Vorreiter geht schon bald zu Ende und das Window of Opportunity wird nicht ewig offen bleiben.

Kreislaufwirtschaft als Innovationstreiber – mehr am eigenen Produkt verdienen

Die Rytec AG und sanu future learning führen einen praxisorientierten Workshop zum Thema Kreislaufgeschäftsmodelle durch.

Link: www.sanu.ch

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Letzte Änderung 20.04.2016

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