Die Ziele für nachhaltige Entwicklung: Ein neuer Motor für die Grüne Wirtschaft?

Von Michael Gerber, 9.12.2015

Michael Gerber

Michael Gerber studierte an der Universität Bern politische Philosophie, Geschichte und Ethnologie und absolvierte berufsbegleitend den Nachdiplomzertifikatslehrgang für Entwicklungsländer (NADEL) an der ETH Zürich. Er arbeitet seit 2002 bei der DEZA. Im Herbst 2012 setzte der Bundesrat Michael Gerber als Botschafter und Sonderbeauftragten für die Erarbeitung der Schweizer Position und die Vertretung in den internationalen Verhandlungen und Gremien ein. Am 14. Januar 2015 erteilte er ihm das Mandat, die Schweizer Delegationen in den zwischenstaatlichen Verhandlungen an der UNO zur Agenda für eine Nachhaltige Entwicklung post-2015 sowie der Finanzierung nachhaltiger Entwicklung zu leiten.

Am 25. September 2015 verabschiedeten die 193 UNO-Mitgliedstaaten an einem Gipfeltreffen in New York die neue globale Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Die mehr als 150 persönlich anwesenden Staats- und Regierungschefs setzten damit ein starkes politisches Zeichen für eine Transformation der Weltwirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit. Kern der neuen Agenda sind 17 universell gültige Ziele (Sustainable Development Goals SDGs) und 169 Unterziele, zu deren Erreichung bis 2030 alle Länder beitragen sollen. Die Schweiz übernahm im dreijährigen Ausarbeitungs- und Verhandlungsprozess eine aktive Rolle und konnte die Agenda massgeblich mitprägen.

Mit der Agenda 2030 soll es unter anderem gelingen, den Übergang hin zu einer Grünen Wirtschaft zu schaffen. Um globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, Ressourcenknappheit, Armut oder Arbeitslosigkeit begegnen zu können, braucht es neue globale Lösungsansätze, die alle Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung (Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt) berücksichtigen. Ein Beispiel: 80 Prozent des Schweizer Wasserverbrauchs entsteht entlang von Produktionsketten im Ausland. Für die Produktion einer Tasse Kaffee braucht es ungefähr 140 Liter Wasser. Im Rahmen eines Schweizer Projekts mit Nestlé in Vietnam konnte der Wasserverbrauch von mehr als 50‘000 Kaffeebauern bei gleich bleibenden Erträgen um über 60 Prozent reduziert werden. Dadurch nimmt die Schweiz ihre internationale Verantwortung wahr und leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit in Produktion und Konsum (SDG 12).

Einzigartig am Entstehungsprozess im UNO-Rahmen war die Beteiligung von Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Privatwirtschaft, die bis zum Abschluss der zwischenstaatlichen Verhandlungen vertreten waren. Das Engagement dieser Akteure ist nun auch bei der Umsetzung der Agenda 2030 gefragt.

Immer mehr Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter stellen sich hinter die Ziele für nachhaltige Entwicklung und wollen mit ihrer Wirtschaftstätigkeit zu deren Erfüllung beitragen. Dies lässt sich erreichen, indem

  1. private Investitionen vermehrt in „SDG-relevante“ Sektoren, z.B. nachhaltige Infrastruktur und Energie, gelenkt werden,
  2. das Kerngeschäft von Firmen „verantwortungsvoller“, etwa entlang der Prinzipien des UN Global Compact, gestaltet wird, oder
  3. vermehrt öffentlich-private Partnerschaften eingegangen werden. Dies sind konkrete Schritte in die Richtung einer Grünen Wirtschaft.

Die politischen Diskussionen bleiben vorerst zwar schwierig, wie auch die Verhandlungen über ein Klimaabkommen in Paris (COP21) zeigen. Ungeachtet dessen schreiten nun viele Firmen und zivilgesellschaftliche Organisationen voran, um sich für die Umsetzung der Agenda 2030 zu engagieren. Der Erfolg der nachhaltigen Entwicklung und Grünen Wirtschaft steht und fällt mit dem Willen zum Umdenken, der innovativen Kraft sowie wirkungsvollen Partnerschaften staatlicher und nicht-staatlicher Akteure – auch in der Schweiz.

Links:

Bundesplattform: http://www.agenda2030.admin.ch
UNO: https://sustainabledevelopment.un.org/topics
Für Firmen: http://sdgcompass.org/

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Letzte Änderung 09.12.2015

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