Unternehmen machen bei Nachhaltigkeit vorwärts

© Jugendherberge Gstaad Saanenland

Das Thema Nachhaltigkeit hat bei Unternehmen in der Schweiz Fuss gefasst. Grosse Unternehmen sind offen für Massnahmen im Bereich Nachhaltigkeit. Dies zeigt eine Studie des Bundesamtes für Umwelt. KMU dagegen brauchen noch Unterstützung. Gute Beispiele wie zum Beispiel die Schweizer Jugendherbergen, der Zementhersteller Holcim oder das Sanitärtechnik-Unternehmen Geberit können dabei helfen.

Von Anna Birkenmeier, 21.12.2016

Mitte November hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) eine Studie zum Thema Umweltziele von Unternehmen veröffentlicht. Untersucht wurden die 500 grössten Unternehmen in der Schweiz sowie kleine und mittlere Unternehmen, die über eine Berichterstattung mit Nachhaltigkeitszielen verfügen. Ziel war es herauszufinden, welche Umweltziele Schweizer Unternehmen publizieren, welche Themen dabei adressiert werden und wie die Ziele formuliert wurden.

Umweltziele können Erfolgsfaktor sein

„Die erste positive Erkenntnis aus der Studie ist, dass die Umweltzielsetzung bei den Schweizer Unternehmen ein Thema ist und sich diese ihrer Verantwortung gegenüber Klima, Umwelt und Gesellschaft bewusst sind“, sagt Projektleiterin Véronique Ruppert Schmitt beim Bundesamt für Umwelt BAFU, dem Auftraggeber der Studie. 88 der untersuchten Grossunternehmen publizieren ihre Umweltziele – darunter der Zementhersteller Holcim oder das Sanitärtechnik-Unternehmen Geberit. Die Studie zeigt auch auf, dass die Formulierung von Umweltzielen ein strategischer Erfolgsfaktor sein kann. Besonders dann, wenn sie relevant, messbar und wirkungsorientiert sind. So wenn etwa die Reduktion des Stromverbrauchs um einen festen Wert bis zu einem bestimmten Zeitpunkt angestrebt wird. Erfreulich: Viele der formulierten Ziele entsprechen diesen Kriterien. Allerdings beziehen sich die Ziele heute noch vor allem auf den direkten Einflussbereich der Unternehmen und weniger auf die gesamte Wertschöpfungskette. Hier besteht laut Ruppert-Schmitt noch Nachholbedarf.

Produktionsbetrieb von Geberit in Rapperswil-Jona, Schweiz.
© Geberit

Systemischer Ansatz nötig

Wie können die Erkenntnisse der Studie optimal umgesetzt werden? „ Die Studie zeigt, dass das BAFU sich mit Themen beschäftigt, die für Unternehmen relevant sind“, sagt Claus-Heinrich Daub von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), einer der drei Autoren der Studie. Zudem brauche es beim nachhaltigen Wirtschaften einen sogenannten „systemischen“ Ansatz. Hier sind im Idealfall relevante, messbare und wirkungsorientierte Umweltziele in die Geschäftszielsetzung integriert. „Dank unseren Erkenntnissen können wir besser auf dieses wichtige Thema eingehen und gemeinsam mit unseren Partnern freiwillige unterstützende Massnahmen zuhanden von Unternehmen eruieren“, erklärt Ruppert Schmitt.

KMU brauchen mehr Unterstützung

Auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) erkennen immer häufiger, dass eine systematische Beschäftigung mit Themen im Bereich Nachhaltigkeit, ökonomische Vorteile mit sich bringen kann. Die Studie zeigt jedoch klar, dass grosse Unternehmen deutlich stärker sind bei der Formulierung und Umsetzung ihrer Umweltziele als KMU. Einer der wichtigsten Gründe liegt in einer vergleichsweise beschränkten Ressourcenausstattung. „Kleine und mittlere Unternehmen zu erreichen ist tatsächlich ein Knackpunkt. Wir haben herausgefunden, dass es relativ wenig kleine Unternehmen gibt, die etwas in dieser Richtung machen“, sagt Daub. Ein Hauptgrund, den Daub immer wieder hört: „Das Thema ist zu aufwendig und es bringt uns nichts.“ Diese Gruppe muss nun intensiver angesprochen werden.

Dem pflichtet Christine Roth bei, Ressortleiterin Umwelt beim Branchenverband Swissmem: „Die Unterstützung muss möglichst auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein. Sie müssen mit gut zugänglichen und einfachen Handlungsanweisungen an das Thema herangeführt werden. Man muss konkret aufzeigen, dass es ihnen auch ökonomisch etwas bringt.“ Sie ist jedoch auch der Meinung, dass die Situation bei den KMU gar nicht so schlecht ist: „Jene, die etwas machen, leisten ausserordentlich viel.“ Das Potenzial bei den KMU ist deshalb gross.

Der Verein der Schweizer Jugendherbergen gilt national wie international als Pionier für nachhaltiges Bauen und Betreiben seiner Jugendherbergen.
© Schweizer Jugendherbergen

Beratungsangebote ausweiten

Bei dessen Erschliessung kann das BAFU nach Ansicht von Roth eine unterstützende Rolle einnehmen. Dabei stellt sich die Frage, ob auf Regulierung oder Freiwilligkeit gesetzt werden soll. Obwohl sich gemäss Studie Führungskräfte grösserer Unternehmen offen für staatliche Regulierungen zeigen und sich in Befragungen teilweise deutlich für eine ökologische Steuerreform, Lenkungsabgaben oder strengere gesetzliche Vorschriften aussprachen, scheint der Weg der Freiwilligkeit im Moment aussichtsreicher zu sein. Dies nicht zuletzt deshalb, weil KMUs wiederum dezidiert keine neue Regeln wollen. Auch die Studie setzt in ihren Empfehlungen deshalb auf Freiwilligkeit. So schlägt sie vor, vor allem die Beratungsangebote für Unternehmen auszuweiten. Das Bundesamt für Umwelt unterstützt mit www.reffnet.ch bereits ein Beratungsnetzwerk für Ressourceneffizienz in Unternehmen, welches auch von KMUs genutzt werden kann.

Gute Beispiele helfen

Eine zentrale Aufgabe besteht dabei einerseits darin, die Grundlagen zu schaffen, damit die Unternehmen ein besseres Verständnis entwickeln. Andererseits soll praktische Unterstützung geboten werden. Dies betont auch Seta Thakur, Geschäftsleiterin des Verbandes für nachhaltiges Wirtschaften öbu: „Unternehmen brauchen konkrete Ziele. Das BAFU kann dazu beitragen, die Sensibilisierung hierfür zu erhöhen.“

Christine Roth betrachtet eine kontinuierliche Kommunikation zu diesen Themen und die Sensibilisierung dafür als wichtig. Zudem sollten allfällige Massnahmen wie die Förderung von Beratungsangeboten, Workshops und Publikationen spezifisch auf die Bedürfnisse von KMUs ausgerichtet sein. Hier liefert bereits die Studie viele „good practice“-Ansätze aus Unternehmen verschiedener Grössen.

Gemäss Thakurs Erfahrung stellen gerade solche Beispiele einen Erfolgsfaktor bei der Überzeugungsarbeit dar: „Gute Beispiele wirken auf Untnehmen, welche noch nicht so weit sind, sehr motivierend. Es ist sehr hilfreich zu sehen, wie andere mit ähnlichen Herausforderungen an die Problemlösung herangehen.“

Ob die freiwillig gesetzten Ziele tatsächlich etwas bewirken, darüber sagt die Studie nichts aus. Trotzdem halten Experten aus Politik und Wirtschaft das freiwillige Engagement der Unternehmen für zentral, wenn es darum geht, in Sachen Nachhaltigkeit einen Schritt weiter zu kommen.

Holcim setzt u.a. auf die Entwicklung integrativer Geschäftsmodelle und starke Beziehungen zu seinen Anspruchsgruppen.
© Holcim

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Letzte Änderung 22.12.2016

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