Für eine zukunftsfähige, ressourcenschonende Wirtschaft

Grow
© Caleb Roenigk: "Grow". www.flickr.com (CC BY 2.0).

Frankenstärke, Tiefzinsumfeld, internationaler Konkurrenzdruck, und jetzt noch Grüne Wirtschaft – läuft dann das Fass nicht über? Die Frage ist berechtigt, und doch ist es notwendig, sich jetzt mit dem Thema zu beschäftigen: Die Überbeanspruchung der natürlichen Ressourcen ist ein Fakt, und der Handlungsdruck wird immer stärker. Der Klimawandel ist dafür nur das deutlichste Zeichen. Die Schweiz ist – wie dieses Webportal zeigen will – schon heute aktiv. Wenn Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und öffentliche Hand gemeinsam Lösungen entwickeln, hat unser Land beste Voraussetzungen, mit einer zukunftsfähigen und ressourcenschonenden Wirtschaft an der Spitze zu bleiben.

Adrian Aeschlimann, 11.08.2015

Das Geschäftsmodell ist bestechend, und es gibt fast nur Gewinner: Die Schweizer Firma Ricoter mit Sitz in Frauenfeld und Aarberg nimmt Abfallprodukte aus den Schweizer Zuckerfabriken, Holzschnitzel und Rinden aus Sägereien sowie Gartenkompost und macht daraus hochwertige Pflanzenerde. Dank dieser Recyclingerde muss Ricoter keine Torferde aus dem Ausland importieren. Dadurch bleibt das Klima schädigende CO2 im Boden und die sensible Artenvielfalt erhalten. Die Konsumentinnen und Konsumenten können die Erde mit gutem Gewissen nutzen und müssen trotzdem keine Abstriche bei der Qualität machen.

Ressourcenschonend im globalen Markt

Auch international tätige Schweizer Firmen wie ABB, Roche oder Georg Fischer setzen auf win-win-Potenziale zwischen wirtschaftlichem und ökologischem Nutzen. Die weltweit in der Rohrleitungs- und Gussteile-Produktion tätige Georg Fischer AG mit Sitz in Schaffhausen zum Beispiel hat in den Entwicklungsabteilungen Verfahren zur ressourceneffizienten Innovation eingeführt. Diese Verfahren helfen, bereits bei der Entwicklung neuer Produkte sicherzustellen, dass die Aspekte der Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz berücksichtigt werden. Dies rechnet sich wirtschaftlich und nützt der Umwelt.

Weitere solche win-win-Beispiele, bei denen die Umwelt und die Unternehmen profitieren, liefern der Textilproduzent Switcher, die SV-Group, die Ernst Schweizer AG oder die Baumaterial-Recycling-Firma Eberhard, allesamt Pioniere auf ihren Gebieten.

Weitreichende Konsumentscheide

Was wir essen, wie wir wohnen, wie wir uns fortbewegen und wo wir unsere Ferien verbringen, hat Auswirkungen auf unsere Umwelt. Jede einzelne Person hat mit ihren Konsumentscheiden einen direkten Einfluss auf ihren individuellen Fussabdruck, indem sie beispielsweise nahe am Arbeitsort und in einem gut isolierten Haus wohnt und zu Fuss, mit dem Velo oder dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit geht. Oder indem sie ihren Lebensmitteleinkauf so plant, dass möglichst wenig Lebensmittelabfälle entstehen und auch fleischlose Menüs zum Zuge kommen. Einen grossen Einfluss hat schliesslich auch die Wahl der Feriendestination und des Transportmittels. Flugreisen haben einen ausgesprochen grossen Fussabdruck. Diese Webseite gibt Hinweise und Tipps, wie Individuen ihren Fussabdruck berechnen und sich ressourcenschonend verhalten können.

Die Transformation gelingt nur gemeinsam

Weder die Staaten noch die Wirtschaft, die Wissenschaft oder die Individuen können alleine unsere Wirtschafts- und Konsumweise in naturverträgliche Bahnen lenken. Es braucht eine Vielzahl von Instrumenten, ein Zusammenspiel aller Kräfte und einen stetigen Dialog unter den verschiedenen Interessensgruppen. Im Aktionsplan Grüne Wirtschaft vom 8. März 2013 bekräftigte der Bundesrat unter anderem die Wichtigkeit des Dialoges zwischen Bund, Kantonen, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Damit sollen gemeinsame Projekte für eine ressourcenschonende und -effiziente Wirtschafts- und Konsumweise vorangetrieben werden. Dabei stehen freiwillige Initiativen im Vordergrund. Im Kern strebt der Dialog an, zu einer Senkung des Schweizer Fussabdruckes beizutragen unter gleichzeitiger Erhaltung oder Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

Ein solcher Dialog unter Einbezug der relevanten Akteure hat in der ersten Jahreshälfte 2015 in der Finanzbranche im Rahmen einer Erhebung des UNO-Umweltprogrammes UNEP stattgefunden. Ein Schweizer Team bestehend aus der Bankiervereinigung, der Branchenorganisation Swiss Sustainable Finance, den relevanten Bundesstellen und weiteren Finanzmarktakteuren hat die Schweizer Antwort an UNEP erarbeitet und am 6. Mai 2015 in Bern vorgestellt. Ziel dieses Dialoges ist es, die Investitionsgelder aus der Finanzbranche in nachhaltige Projekte zu lenken und somit eine win-win-Situation zwischen Umwelt und Wirtschaft zu schaffen.

Die ressourcenschonende und somit Grüne Wirtschaft ist vielerorts schon Realität

Innovative und erfolgreiche Unternehmen – vom Start-up über das KMU bis zur internationalen Grossfirma – haben das Potenzial erkannt und nutzen dies konsequent. Auch in der Gesellschaft ist ein Wandel sichtbar: Initiativen wie Gärtnern in der Stadt (urban gardening), Tauschbörsen, Reparatur-Cafés oder lokale Versorgungsnetze direkt vom Bauern zu den Leuten in der Stadt zeugen davon. Oft sind diese Initiativen mit ebenso vielen Rückschlägen wie Erfolgserlebnissen verbunden. Dennoch lohnt sich der Einsatz. Das Webportal für eine ressourcenschonende und -effiziente Wirtschafts- und Konsumweise will diese Initiativen sichtbar machen und einen Meinungsaustausch ermöglichen.

Was ist unter grüner Wirtschaft zu verstehen?

Der Bundesrat versteht unter einer Grünen Wirtschaft eine ressourcenschonende Wirtschafts- und Konsumweise, eine Wirtschaftsweise also, welche die Knappheit begrenzter Ressourcen und die Regenerationsfähigkeit erneuerbarer Ressourcen berücksichtigt, die Ressourceneffizienz verbessert und damit die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und auch die Wohlfahrt insgesamt stärkt. Mit «Wirtschaft» sind Unternehmen, aber auch Haushalte und die öffentliche Hand gemeint. Wirtschaft schliesst in diesem Sinn Produktion, Konsum und Handel ein.

Die Grüne Wirtschaft ersetzt das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung nicht. Vielmehr wurde die Grüne Wirtschaft am Rio+20-Gipfel 2012 als wichtiges Instrument für die Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung bestätigt. Insofern leistet die Grüne Wirtschaft wichtige Beiträge zur Nachhaltigen Entwicklung.

Mehr zum Thema: Warum Grüne Wirtschaft?

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Letzte Änderung 15.09.2015

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