Digitalisierung beflügelt Ressourceneffizienz

Wer natürliche Ressourcen einsparen will, muss deren Verbrauch erfassen, messen und regeln. Hier liegt grosses Potenzial für Produkt- und Prozessoptimierungen, das auch durch die Digitalisierung genutzt werden kann, sagt Wissenschaftler und Praktiker Maurice Jutz.

Der Biologe und Umwelttechnologe Prof. Maurice Jutz ist Mitgründer der Effizienzagentur Schweiz AG, welche Unternehmen und Organisationen dabei berät, ressourceneffizient zu wirtschaften und lehrt und forscht an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Zudem war Jutz im Laufe seiner Karriere für verschiedene Unternehmen als Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsleiterleiter tätig. Als Projektleiter arbeitete er in Ländern wie Brasilien, Vietnam, Kasachstan, Kirgistan, Tajikistan und Azerbaijan.

Interview: Yvonne von Hunnius, 02.02.2017

Ist die Digitalisierung ein Erfolgsrezept zur Schonung natürlicher Ressourcen?

Jutz: Digitalisierung ist nur ein Instrument, wenn auch ein sehr wirkmächtiges. Dementsprechend eingesetzt, kann sie viel zur effizienteren Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen beitragen.

Wie das?

Um Ressourcen in der Wirtschaft effizient zu nutzen, muss man verstehen, wie die Ressourcen in der Produktion und in den Produkten eingesetzt werden. Das klingt banal, ist aber ein Punkt mit grossem Potential in der effizienten Nutzung natürlicher Ressourcen. Dass man hier nicht schon viel weiter ist, liegt daran, dass die Kosten für Rohstoffe immer noch vergleichsweise tief sind. Doch neue Technik ermöglicht heute in immer mehr Bereichen den Einsatz ausgefeilter Steuerungssysteme. Mithilfe neuer Sensorik können Verbräuche, Stoff- und Energieflüsse sehr genau gemessen und mithilfe digitaler Datenverarbeitung online zur Verfügung gestellt werden.

Welches Paradebeispiel sehen Sie hier?

Egal, worum es geht – Digitalisierung kann zweierlei leisten: Daten mittels Sensoren erfassen und dann übermitteln sowie Daten verarbeiten, um damit Prozesse effizienter zu steuern. Nehmen Sie als Beispiel die Steuerung und Regelung von Abwassermengen zur besseren Bewirtschaftung von Kanalisationsnetzen und Kläranlagen.

Wie könnte die Schonung natürlicher Ressourcen in den Vordergrund kommen?

Bei Ausschreibungen könnten den Selektionskriterien, welche auf einen sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen abzielen, mehr Gewicht gegeben werden. Das ganze Beschaffungswesen ist hier gefragt – öffentlich und privat.

Wie erklären Sie sich den grossen Vorsprung, den der effiziente Umgang mit Energie im Vergleich zu anderen Ressourcen hat?

Was heisst hier Vorsprung? Der Energieverbrauch hat auch im Jahr 2015 weiter zugenommen. Das bedeutet nicht, dass Energieeffizienzmassnahmen nicht greifen, ganz im Gegenteil. Aber das ökologische und ökonomische Optimierungspotential ist noch lange nicht ausgeschöpft. Die Digitalisierung beziehungsweise die digitale Datenerfassung und Verwertung wird hier einiges zum effizienteren Nutzen von Energie, auch der grauen Energie beitragen können. Dort steckt ein grosser Teil unseres Energieverbrauchs, weshalb der effiziente Einsatz von Materialien auch einen Beitrag zur Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs leisten wird. Damit meine ich mitunter eine lange Lebensdauer der Produkte oder auch sparsame Produktionsmethoden.

Braucht es Start-up-Geist, um hier mit neuen Ideen mehr zu bewegen?

Grosse Firmen haben seit vielen Jahren dazu beigetragen, im Bereich Ressourceneffizienz voranzukommen. Natürlich wird meist nur soviel umgesetzt, wie wirtschaftlich sinnvoll ist. Start-ups können mit innovativen Ideen neue Technologien und Geschäftsmodelle in der Effizienzsteigerung anstossen. Letztlich braucht es aber in allen Fällen eine gewisse Dynamik, Risikobereitschaft und ein Verständnis dafür, dass die Optimierung von Energie- und Materialverbräuchen in der Regel direkt zu einer Gewinnsteigerung führen wird. Häufig ergeben sich dadurch auch neue Geschäftsmöglichkeiten.

Haben Sie etwas Konkretes im Blick?

Ja. Grosses Potenzial im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung haben beispielsweise vernetzte Systemlösungen. Die bessere Informationserfassung und -verarbeitung der Stoff- und Energieflüsse macht möglich, verschiedene Elemente eines Gesamtverfahrens besser aufeinander abzustimmen.

Wird das Innovationspotenzial der Digitalisierung bereits ausreichend ausgeschöpft?

Viele Unternehmen bieten in diesem Kontext schon heute neue Dienstleistungen an. Mit digitalen Geschäftsmodellen können Unternehmen flexibler und schneller auf Kundenanfragen reagieren. Auf den anderen Seiten finden Interessenten dank realer und digitaler Kommunikation schneller die ihnen entsprechende wirtschaftliche und technische Lösung. Ein Beispiel hier ist die junge Schweizer Cleantech-Businessplattform YODEL. Diese vernetzt weltweit Anfragen und Angebote von Interessenten und Lösungsanbietern innerhalb eines real bestehenden Netzwerkes. Das Fundament bilden persönliche Business-to-Business-Kontakte. Und die digitale Plattform hilft zielgerichtet und effizient, Nachfrage und Angebot zusammenzubringen 

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Letzte Änderung 31.01.2017

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