„Die digitale Transformation ist die neue grüne Wirtschaft“

Schweizer Innovationen können stark dazu beitragen, dass die Ressourceneffizienz der Wirtschaft weltweit steigt. Dabei plädiert Ständerat Ruedi Noser für mehr Mut, um neuen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen. Scheuklappen sind laut Noser dabei hinderlich.

Ruedi Noser ist Ständerat (FDP) und Inhaber der Noser Gruppe, eines der grössten ICT-Unternehmen der Schweiz. Hierzu gehören acht Firmen mit insgesamt rund 500 Mitarbeitenden in mehreren Ländern. Zudem ist Noser Präsident des ICT-Dachverbands ICTswitzerland und damit Vertreter von fast 200.000 Fachkräften.

Interview: Yvonne von Hunnius, 02.02.2017

Braucht ressourcenschonendes Wirtschaften heutzutage zwingend die Digitalisierung, um voranzukommen?

Noser: Wenn wir die Ziele von Paris erreichen wollen, ist dies nur möglich mit sehr innovativen Lösungen. Die Verringerung des CO2 alleine reicht jedoch nicht. Es muss die Zielsetzung der Schweiz sein, Technologien zu entwickeln und zu exportieren, die der Welt erlauben, Verbesserungen als Ganzes zu erreichen. Die Digitalisierung ist dabei ein wichtiges Instrument, aber nur eines von vielen.

Wo kann Digitalisierung im Sinne der Ressourcenschonung am meisten bewegen?

Die digitale Transformation verändert unser Leben fundamental. Die Shared Economy wird den grösseren Beitrag leisten zu einer optimierten Ressourcennutzung als alles, was wir bis heute unter dem Motto Grüne Wirtschaft für förderungswürdig hielten. Autonomes Fahren wird die ganzen Urteile die wir heute haben über gute oder schlechte Mobilität auf den Kopf stellen. Das heisst: Die digitale Transformation ist die neue grüne Wirtschaft.

Häufig wird der Rebound-Effekt angeführt, durch den mehr Digitalisierung in manchen Fällen mehr Ressourcenverbrauch bringen könnte. Wo sehen Sie diese Gefahr gegeben?

Eigentlich nirgendwo. Der Rebound-Effekt findet in erster Linie dadurch statt, dass wir immer länger leben und nicht durch die Digitalisierung.

In welchem Segment könnte die Schweiz eine internationale Spitzenposition einnehmen?

Einerseits im ganzen Bereich Mobilität, allerdings nur, wenn zum Beispiel die SBB oder die Verkehrsbetriebe Zürich VBZ ihre Applikationen auch ins Ausland bringen. Anderseits sehe ich Potenzial bei den vielen innovativen Start-ups, die die Schweiz hat. Der Schweizer Beitrag zum Weltklima ist nicht, die restriktivsten Zielmarken zu setzen, sondern Regeln zu setzen, die neuen Technologien zum Durchbruch verhelfen.

Und was ist dann dafür entscheidend, dass Digitalisierung gezielt zur effizienten Nutzung von natürlichen Ressourcen eingesetzt wird?

Wichtig ist, dass wir aufhören, nur Erprobtes einzusetzen. Wir müssen auch Neues wagen, testen und ermöglichen. Wem die Umwelt am Herzen liegt, braucht Mut für Neues. 

Der Trend zu nachhaltigen Start-ups scheint durch einen Fintech-Hype abgelöst zu werden. Wie könnten diese Bewegungen gerade in der Schweiz zusammenfinden?

Es gab nie nachhaltige Start-ups. Man sollte den Begriff verbieten, denn er beschränkt bereits Innovation. Jede Neuentwicklung hat zum Ziel, effizienter zu sein. So tragen die Millionen Sensoren, die Sensirion in Stäfa entwickelt, mehr zu eine effizienteren Ressourcennutzung bei als vermutlich alle vom Bund geförderten nachhaltigen Start-ups. 

Aber könnte man nicht durch spezifische Förderung etwas erreichen? Etwa mithilfe eines Teils der von Ihnen für den Digital-Forschungsbereich geforderten zwei Milliarden Franken?

Nein. Die zwei Milliarden sollen überall dort eingesetzt werden, wo die digitale Transformation auf Grundlagenforschung angewiesen ist – ohne irgendwelche ideologischen Scheuklappen. Nehmen wir die Industrie 4.0, die die Produktion komplett verändern wird. Hier können Produkte, um nur einen Punkt herauszugreifen, individuell auf Bedürfnisse zugeschnitten werden. Diese Prozesse werden zu einer kompletten Änderung der ganzen Ressourcen-Managements führen.

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Letzte Änderung 31.01.2017

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