Unternehmen senken CO2-Ausstoss

COP21
© Arnaud BOUISSOU, CC0 1.0.

An der 21. UNO-Klimakonferenz, welche vom 30. November bis am 11. Dezember in Paris stattfindet 2015, ringen die Staaten nach Lösungen, den CO2-Ausstoss zu vermindern. Dabei ist auch die Wirtschaft gefordert. Immer mehr Schweizer Unternehmen erkennen, dass sich dies rechnet. Auch in der Finanzwirtschaft wird Dekarbonisierung ein Thema.

Von Szilvana Spett, 1.12.2015

Farmerriegel, lösliche Kaffees oder Volg-Bouillonwürfel auf den Regalen von Migros kommen alle aus den Fabriken der Haco AG. Das Unternehmen in Gümligen BE verarbeitet Kaffee, vermengt trockene Rohstoffe und verpackt sie anschliessend. Dabei wird viel Energie verbraucht – vor allem die Kaffeeproduktion ist energieintensiv. Um seine Energieeffizienz zu steigern und den CO2-Ausstoss zu senken, hat das Unternehmen die Dampfkessel ersetzt und die Röstanlage erneuert. Mit mehr als 30 kleineren und grösseren Massnahmen spart das Unternehmen nun jährlich über 16.000 Megawattstunden Wärme und Strom. Damit ist die Haco AG nicht allein.

EnAW und act helfen CO2 einsparen

Haco und viele andere Unternehmen lassen sich auf der Suche nach Effizienzmassnahmen von der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) beraten, die von den Wirtschaftsverbänden getragen wird. Die Experten der EnAW helfen, Einsparpotenziale aufzudecken, und legen gemeinsam mit den Unternehmen einen Massnahmenkatalog fest. Unternehmen gewisser Branchen erhalten ihre CO2-Abgaben gemäss CO2-Gesetz zurück, wenn sie sich auf ein Einsparziel verpflichten. Laut Armin Eberle, Geschäftsführer der EnAW, entscheiden sich immer mehr Firmen für eine Zielvereinbarung. So betreue die EnAW im Auftrag des Bundes heute bereits über 3500 Teilnehmerfirmen, welche knapp die Hälfte der Emissionen der Wirtschaft repräsentieren. Nebst der EnAW bietet auch die Cleantech-Agentur Schweiz act, Beratungsdienstleistungen für Unternehmen an.  

Freiwillige Unterstützung für KMU

KMU können sich zudem an die Klimastiftung Schweiz wenden, wenn sie Hilfe brauchen. Die Stiftung wird von grossen Dienstleistungsunternehmen getragen. Diese stellen freiwillig Mittel bereit, die sie aus der CO2-Abgabe zurückerstattet erhalten, um KMU beim Energiesparen und bei innovativen Lösungen zum Klimaschutz zu unterstützen. So konnte etwa die Plaston AG aus Widnau SG dank der Unterstützung der Klimastiftung zwei ihrer Kunststoff-Spritzgiessmaschinen durch energieeffiziente Geräte ersetzen und spart nun jährlich 370 Kilowattstunden Strom. Das Unternehmen  stellt Kunststoffverpackungen und -verschalungen sowie Luftbehandlungsgeräte her.

Technologie ist vorhanden

Für die Dekarbonisierung, welche einen wesentlichen Beitrag zu einer Grünen Wirtschaft leistet, braucht es auch innovative Technologien. Die Schweiz hat in diesem Bereich viel zu bieten. Dabei glänzt sie insbesondere in den Bereichen Photovoltaik und Wasserkraft, sagt Philippe Thalmann, Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne im gesonderten Interview. Jedoch liegt sie auch in der Entwicklung von Technologien zur Steuerung der Raumtemperatur weit vorne. Die Zuger Landis+Gyr bietet ihre intelligenten Energiemanagementlösungen weltweit an. ABB und Leclanché sind unter den weltweit führenden Unternehmen für Batteriespeicher. Und auch wenn die Schweizer bisher noch keinen Durchbruch bei den Elektroautos geschafft haben: Mit der Brusa AG sitzt einer der wichtigsten Zulieferer weltweit in Sennwald im St. Galler Rheintal.

Dekarbonisierung erreicht die Finanzwirtschaft

Die Dekarbonisierung erreicht zunehmend auch die Finanzwirtschaft. Denn wenn nicht alle globalen Reserven an Kohle, Öl und Erdgas gefördert werden können, verlieren auch jene Unternehmen an Wert, welche diese Reserven besitzen. Betroffen wären auch Unternehmen, die CO2-intensiv produzieren. Unter Kohlenstoffrisiken werden auch Kosten durch Regulierungen (Abgaben, Grenzwerte usw), Haftungsrisiken, Reputationsrisiken oder Kosten durch Nachfragerückgang verstanden. Entsprechend stehen Anleger weltweit unter Druck, sich von Investitionen in CO2-intensive Unternehmen zu trennen. Diese sogenannte Devestitionsbewegung gewinnt an Geschwindigkeit. So hat die Rockefeller-Stiftung bereits im Herbst 2014 das Ende der Investitionen in fossile Energieträger verkündet. Renommierte amerikanische Universitäten, Pensionskassen und die französische Versicherungsgruppe Axa sind dem gefolgt.

Auch der Schweizer Finanzplatz ist betroffen

Das Bundesamt für Umwelt hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, welche die Risiken für den Schweizer Finanzplatz abschätzt, die mit Investitionen in CO2-intensive Unternehmen verbunden sind. Die Studie zeigt, dass allein der Schweizer Aktienfondsmarkt Emissionen von gut 52,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Ausland finanziert. Das entspricht etwa dem Ausstoss der Schweiz im Jahr 2013. Pensionskassen finanzieren mit ihren ausländischen Aktienanlagen derzeit etwa 6,4 Tonnen CO2 pro versicherter Person. Wenn Emissionen künftig mehr kosten, könnte dies für den Schweizer Aktienfondsmarkt laut der Studie bis zu 6,75 Milliarden Franken kosten.

An der Studie beteiligte sich auch die grösste Schweizer Pensionskasse Publica, die Vermögen in der Höhe von 37,7 Milliarden Franken verwaltet. Nach eigenen Angaben analysiert sie das Thema intern bereits länger. Diesbezüglich habe sie sich auch mit ausländischen Investoren ausgetauscht und prüfe derzeit die nötigen Massnahmen. Auch die Zürcher Kantonalbank nimmt das Thema ernst. Im September 2015 hat sie als erste Schweizer Bank den Montreal Carbon Pledge unterzeichnet, mit dem sich institutionelle Anleger verpflichten, den CO2-Fussabdruck ihrer Investitionen zu messen und zu veröffentlichen. Zudem hat sie 2011 einen Nachhaltigkeitsindikator für Anlagefonds lanciert. Die Dekarbonisierung auch des Finanzplatzes Schweiz hat begonnen.

Der Ölverbrauch geht zurück

Der Mineralölverbrauch in den Industrieländern sinkt. In der Schweiz wurden 2010 noch rund 11,5 Millionen Tonnen Öl verbraucht. 2011 waren es rund 10,6 Millionen Tonnen, 2012 rund 11 Millionen Tonnen, 2013 rund 10,9 Millionen Tonnen und 2014 nur noch 9,9 Millionen Tonnen Öl. Das zeigen die Zahlen des Bundesamts für Statistik. Auch in Europa insgesamt ging der Verbrauch kontinuierlich zurück. Wurden 2010 noch rund 782 Millionen Tonnen Öl verbraucht, sank der Verbrauch bis 2013 auf rund 725 Millionen, wie die Zahlen der amerikanischen Energy Information Administration (EIA) zeigen. Auch in Nordamerika stagniert der Ölverbrauch immerhin. Dort wurden 2010 noch 1,2 Milliarde Tonnen verbraucht, im Jahr 2013 waren es 1,19 Milliarde Tonnen. In den Schwellenländern nimmt der Ölverbrauch derzeit noch zu, die vor allem auch wegen der Subventionierung von fossilen Energieträgern. Diesen Trend könnten die tiefen Ölpreise noch verstärken. Die Internationale Energieagentur geht jedoch davon aus, dass der Preis von Erdöl langsam wieder steigen und bis 2020 rund 80 Dollar pro Fass (159 Liter) erreichen wird. Mitte November 2015 lag er unter 50 Dollar.

Hotels sparen CO2

Die Bündner Hotels spannen bei der Senkung des CO2-Ausstosses zusammen. Die hotelleriesuisse Graubünden hat im März 2013 das Projekt „Leuchtturm – Energieeffiziente Hotels Graubünden“ gestartet, welches die Hotelbranche für Massnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstosses sensibilisieren soll. Ziel ist, dass so viele Hotels ihre Energieeffizienz steigern. Dabei soll auch der wirtschaftliche Nutzen für Hotelbetriebe aufgezeigt werden. Das Engagement von Leuchtturm-Hotels ist schweizweit verbindlich. Bis 2020 wollen sie gemeinsam 68 Gigawattstunden fossile Energie, 26 Gigawattstunden Strom, 18.100 Tonnen CO2 und 22 Millionen Franken einsparen. Das Projekt der hotelleriesuisse Graubünden wurde 2015 mit dem Watt d`Or Preis in der Kategorie Gesellschaft ausgezeichnet.

Video des  Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. YouTube, 30.11.2015 www.uvek.admin.ch/klima.

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Letzte Änderung 21.12.2015

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