Ressourcenschonen gehört zur Qualität

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© Hotel Belvoir

Schweizer Hotels versuchen zunehmend  Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen und wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen. Das zeigt der im Mai 2016 publizierte zweite Monitoringbericht zur Nachhaltigkeit in der Hotellerie von hotelleriesuisse. Und er zeigt auch: Das Potenzial ist noch sehr gross.

Von Yvonne von Hunnius, 14.06.2016

Vieles ist im Wandel in der Hotellerie, doch die Grundsätze bleiben. „Für die Gäste zählen nach wie vor Lage, Preis und Qualität“, sagt Martin von Moos, Gastgeber und Geschäftsführer des 4-Sterne-Superior-Hotels Belvoir in Rüschlikon am Zürichsee. Bringt nachhaltiges und ressourcenschonendes Wirtschaften hier überhaupt noch einen Mehrwert? Von Moos sagt: „Nachhaltigkeit drückt sich durch Qualität aus. Wir wollen unsere Gäste aber nicht erziehen.“ Deshalb schreibt das Belvoir Nachhaltigkeit nicht explizit auf seine Fahnen. Im Hintergrund arbeitet das Hotel aber beispielsweise mit der Energie-agentur der Wirtschaft (EnAW) an der Verminderung des CO2-Ausstosses. Nun steht auch das Thema Lebensmittelverschwendung (Foodwaste) auf dem Programm. In nur drei Wochen konnte der Betrieb  die Lebensmittelabfälle um 30 Prozent vermindern. Das Belvoir sparte somit rund 3000 Franken. Und es galt als Massgabe, dass der Gast nichts merken sollte. „Das hat funktioniert – gerade sorgfältige Menüplanung, Einkauf und Produktion bieten enormes Potenzial “, so von Moos.

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© Hotel Belvoir

Gute Klima- und Energiekennzahlen

Der Branchenverband hotelleriesuisse hat das Foodwaste-Programm im Hotel Belvoir angeregt. Und jetzt hat sich auch der Regionalverband Zürich des Themas mit Pilotbetrieben und Workshops angenommen. „So können Erfahrungen ausgetauscht werden, das ist perfekt“, sagt Sonja Seiffert, Nachhaltigkeitsverantwortliche von hotelleriesuisse. Gerade hat sie die Arbeiten am zweiten Monitoringbericht zur Nachhaltigkeit in der Hotellerie abgeschlossen und freut sich, dass manche Nachhaltigkeitsthemen wie Foodwaste richtig Fahrt aufnehmen. Das zeigt laut Seiffert, wie wichtig eine Faktengrundlage und vor allem genaues Messen ist. Für den im Mai 2016 publizierten Monitoring-Bericht hat der Verband mit dem Forschungs- und Beratungsbüro INFRAS umfassende Detaildaten zusammengetragen. Gerade im ökologischen Bereich sind positive Trends zu beobachten: Die Klima- und Energiekennzahlen zeugen von Effizienzmassnahmen und geringerem Einsatz fossiler Energien. Auch, wenn die Zahlen teils auf Faktoren wie wärmere Wintermonate zurückzuführen sind. Im Bereich Mobilität ist der Anteil an öffentlichen Verkehrsmitteln gestiegen.  

Das Ziel ist eine nachhaltige Breitenwirkung

Beim Fokusthema Foodwaste hatte hotelleriesuisse Umfragen durchgeführt – mit dem Ergebnis: „Das Potenzial wurde von vielen unterschätzt. Mit Pilotbetrieben haben wir gezeigt, wie viele Abfälle tatsächlich einzusparen sind und wie viel Geld das spart“, sagt Seiffert. So findet ressourcenschonendes Wirtschaften auch in Betrieben Eingang, die sich nicht grundsätzlich ökologisch ausrichten. Ausgewiesene Solarhotels oder mit dem Schweizer Label ibex fairstay zertifizierte Hotels setzen auf diese Karte – doch es geht auch um die Breitenwirkung.

Sonnenkollektoren_Uclivetta
Sonnenkollektoren auf dem Dach der Dependance Uclivetta des Hotels Ucliva in Waltensburg
© Hotel Ucliva

Die Aufgabe ist durch die Nachhaltigkeitscharta des Schweizer Tourismus klar: Als Mitunterzeichnerin strebt hotelleriesuisse eine Entwicklung an, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, ökologische Verantwortung und gesellschaftliche Solidarität gleichermassen berücksichtigt. Das ist eine umso schwierigere Aufgabe, als die Branche durch den Strukturwandel und die Währungsproblematik durchgeschüttelt wird. Die Anzahl der Schweizer Hotels ist seit 1992 um 20 Prozent gesunken. Investitionen müssen heute strategische Verbesserungen bringen und sich lohnen. Aber die Hoteliers nehmen Geld in die Hand: Investiert wird in grössere Betriebe und höhere Arbeitsproduktivität, Bauinvestitionen steigen an. Auch das zeigt der Bericht.

Schweizer Gäste schätzen Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit kann helfen, sich neu auf den Gast auszurichten und Qualität neu zu definieren. In der Schweiz machen das viele kleine, innovative Betriebe vor. In Graubünden etwa hat sich das Hotel Ucliva seit 1983 als erstes Ökohotel einen Namen gemacht – Zertifizierung braucht es dafür keine. Geschäftsführerin Marion Patzelt sagt: „Wir haben hauptsächlich Schweizer Gäste, die sehr schätzen, wie wir den Betrieb führen.“ Nachhaltigkeit ist im Ucliva in allen Unternehmensbereichen Trumpf: ob es sich um Spülmittel, Möbel, Knospe-Lebensmittel, die Zapfanlage für Mineralwasser, Mitarbeiterführung oder Energieversorgung handelt. „Doch der Grossteil des Engagements läuft automatisch in unseren Prozessen ab“, so Patzelt. Wahrnehmen soll der Gast Nachhaltigkeit als Qualität.

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© Hotel Ucliva

Mövenpick nutzt win-win-Potenziale

Auch bei den  Hotel-Gruppen gibt es positive Entwicklungen: Sehr aktiv sind die Schweizer Jugendherbergen mit ihrem umfassenden Nachhaltigkeitsfokus. Auch die Mövenpick-Hotel-Gruppe mit Sitz in Baar trägt Schweizer Qualität verbunden mit Nachhaltigkeitsaspekten in die Welt. Mövenpick betreibt weltweit 83 Betriebe und plant in den nächsten Jahren bis zu 30 weitere. Die Mehrzahl der bestehenden Hotels ist durch das internationale Label Green Globe zertifiziert, damit hält Mövenpick den Rekord. Mövenpick-Kommunikationsverantwortliche Tina Seiler sagt: „Unser Ziel ist, dass alle Betriebe zertifiziert sind.“ Und das bedeutet, dass Nachhaltigkeit in jede einzelne Betriebsführung integriert wird.

Pascal Rüegg leitet das Mövenpick Hotel in Regensdorf und hat gerade die fünfte Green-Globe-Zertifizierungsrunde hinter sich. „Das ist für uns jährlich ein Ansporn und auch betriebswirtschaftlich wichtig“, sagt er. Wenn Unternehmen Vereinbarungen mit seinem Hotel eingehen wollen, ist immer öfter auch Nachhaltigkeit ein Kriterium. Auch anders zahlt sich das Engagement oft aus: Allein durch ein neues Wärmerückgewinnungssystem ist der Heizverbrauch um ein Vielfaches gesunken. Man vermeidet alle Arten von Abfällen, arbeitet mit der Energie-Agentur der Wirtschaft zur Verringerung von CO2 zusammen. Die jährlichen Ziele werden im Managementteam auf die Abteilungen heruntergebrochen und regelmässig gemessen. Dabei setzt man auch stark auf das freiwillige Engagement der 134 Mitarbeitenden – der Chef ist immer dabei. Und das ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, sagt Sonja Seiffert von hotelleriesuisse: „Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung müssen Chefsache sein und vom Betriebsleiter gelebt werden. Nur dann ist das Personal diesbezüglich positiv eingestellt und sensibilisiert. Denn es sind die vielen kleinen Massnahmen, die in der Summe nachhaltige Betriebe ausmachen.“

Mövenpick Resort El Gouna
Das Mövempick resort El Gouna ist offiziell das umweltfreundlichste Urlaubsziel von Ägypten. Der Recyclinganteil liegt über 90 Prozent.
© Mövenpick

CO2 vermeiden und kompensieren

Der Monitoring-Bericht zeigt, dass die durchschnittlichen CO2-Emissionen pro Logiernacht in der Schweizer Hotellerie seit 2002 leicht rückläufig sind. Ökologisch vorbildliche Betriebe liegen bei 6 Kilogramm CO2 pro Nacht, andere auch bei 60 Kilogramm CO2. Gerade Fünf-Sterne-Betriebe zählen häufiger zu letzteren. Letztlich hängen die Zahlen auch von der Auslastung des Hauses ab. Dabei hat sich das Instrument der CO2-Kompensation erst bei manchen Akteuren durchgesetzt. Kathrin Dellantonio vom Klimaschutz-Beratungsunternehmen myclimate sagt: „Nach wie vor sind es einige wenige Betriebe wie Sunstar-Hotels oder die Jugendherbergen, die Kompensation als Klimaschutzmassnahme nutzen.“ Das Potenzial sei noch riesig. Doch die Schweiz sei in guter Gesellschaft, sagt Dellantonio: „Die Lage in Deutschland ist ähnlich. Es gibt einige Vorreiter, die Kompensation ist aber noch nicht weit verbreitet.“ 

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Letzte Änderung 14.06.2016

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