Nachhaltige Anlagen im Aufwind

Six Boerse

Die Schweiz gehört zu den wichtigsten Finanzplätzen der Welt – hier haben Pioniere den Trend zu nachhaltigen Anlagen bereits früh erkannt und wichtige erste Instrumente lanciert. Die erhoffte Breitenwirkung bleibt jedoch aus. Aktuelle Initiativen könnten dies ändern.

Von Yvonne von Hunnius, 25.08.2015

Wer Geld anlegt, lässt es für sich arbeiten. Aber wo genau arbeitet es? Trägt es in der Wirtschaft zu mehr Ressourceneffizienz oder Fairness bei, zahlt sich die Anlage doppelt aus. Dabei ist das Konzept nachhaltiger Anlagen einfach und bestechend. Letztlich verspricht es eine finanzielle ebenso wie eine ideelle Rendite im ökologischen oder sozialen Sinn. Und man könne beides haben, sagt Sabine Döbeli, Leiterin Nachhaltigkeit der Bank Vontobel: „Bei klassischen nachhaltigen Anlagen gibt es keinen finanziellen Renditeverzicht, das belegen Studien.“ Davon profitieren private wie institutionelle Kunden. Der ökologische Strukturwandel braucht Kapital und der Schweizer Finanzplatz sucht nach einem neuen Profil. In diesen Zeiten nach der Finanzkrise ist der Ruf laut, der Finanzmarkt müsse sich wieder stärker als Dienstleister der Realwirtschaft begreifen. Dabei sehen viele Experten im Bereich nachhaltiger Anlagen schon seit Jahren einen möglichen neuen Hauptfokus des Schweizer Finanzplatzes – zumal dies Voraussetzung und Fundament für eine Transformation hin zu einer Grünen Wirtschaft ist. Aber noch befindet sich das entsprechende Anlagevolumen auf sehr niedrigem Niveau.

Vorsichtige Schweizer Akteure
In der Schweiz lag Ende 2014 die Summe an nachhaltigen Fonds, Mandaten und strukturierten Produkten bei 71,3 Milliarden Franken – das macht rund vier Prozent des Gesamtmarkts aus. Die Wachstumszahlen stimmen optimistisch: Von 2013 auf 2014 ist der nachhaltige Anlagemarkt in der Schweiz um 26 Prozent gewachsen. Doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass sich die Finanzwelt rund um Genf und Zürich nur in kleinen Schritten im Thema vorantastet. Gerade Berater scheuen oft die Komplexität der Kriterien und kritisieren diese als den Kunden schwer vermittelbar. Dieses Bild zeichnet sich nicht nur in der Schweiz ab: Auch andere globale Top-Finanzplätze wie die Wallstreet oder London spielen zwar mit, legen jedoch nicht volles Gewicht auf dieses Engagement.

Schweiz könnte führende Rolle einnehmen
In der Schweiz könnte sich dies wandeln. „Unser Finanzplatz ist dafür prädestiniert, eine führende Rolle bei nachhaltigen Finanzen einzunehmen – und dazu bräuchte es kaum neue staatliche Anreize oder Regularien“, sagt Sabine Döbeli. Als Geschäftsführerin des 2014 gegründeten Netzwerks Swiss Sustainable Finance (SSF) konnte sie für diese Vision Branchengrössen wie UBS und Credit Suisse ebenso wie Nischenspieler gewinnen. Ihr Kredo: In der Schweiz trifft Finanzwissen auf Umwelt-Know-how sowie verantwortliches Unternehmertum.

Doebeli

Sabine Döbeli, Leiterin Nachhaltigkeit der Bank Vontobel, Geschäftsführerin des 2014 gegründeten Netzwerks Swiss Sustainable Finance (SSF).

SSF beteiligt sich zudem zusammen mit Vertretern des Finanzmarktes, der Wissenschaft und des Bundes an einer internationalen Untersuchung des UNO-Umweltprogramms (UNEP) zu einem nachhaltigen Finanzsystem. Unter der Leitung des Bundesamts für Umwelt BAFU werden im Rahmen dieser Untersuchung best practice-Beispiele und Schweizer Pionierfinanzprodukte in die internationale Diskussion um einen nachhaltigeren globalen Finanzmarkt eingebracht.

Finanzpioniere mit Innovationsgeist

Hiesige Finanzakteure haben schon früh grünen Innovationsgeist bewiesen. Aus der Schweiz stammt seit 1999 die erste globale nachhaltige Indexfamilie: die Dow Jones Sustainability Indices. Der Investmentspezialist RobecoSAM bewertet hierfür die Nachhaltigkeitspraktiken der mitunter grössten Unternehmen der Welt. Als weltweit bedeutendstes Mikrofinanz-Zentrum positioniert hat sich die Schweiz mit den Vermögensverwaltern responsAbility, Symbiotics, BlueOrchard und Bamboo Finance. Die Zürcher Experten von responsAbility rechnen mit einem 20-prozentigen Wachstum des globalen Mikrofinanzmarkts im laufenden Jahr. Ein weiteres Beispiel ist der erste Ökoeffizienz-Fonds Oekosar, der 1994 von der Bank Sarasin lanciert wurde. Entscheidend hierbei: der Perspektivenwechsel weg von einer thematischen hin zu einer sektorenübergreifenden Bündelung.

Auch aktuell ist viel in Bewegung: Die UBS hält einen Energieinfrastrukturfonds, der in Zusammenhang mit den Zielen der Energiestrategie 2050 steht. So sollen Anleger dazu motiviert werden, in die Energiewende zu investieren. Die Zürcher Firma Susi Partners hat den Energieeffizienzfonds (EEF) für institutionelle Investoren aufgelegt: Das Kapital wandert in energetische Sanierungen, ein Prozentsatz der dadurch eingesparten Kosten wird über die Jahre hinweg vergütet. Ein Ansatz, der den Aspekt der Langfristigkeit clever integriert.

Klimathematik bringt neue Impulse
Produktinnovationen sind essenziell. Was die Expertin Sabine Döbeli aber fast noch mehr freut, ist eine Tendenz zu mehr Breitenwirkung: „Ich sehe, dass Nachhaltigkeitsaspekte mit festen Prozessen immer stärker ins reguläre Portfoliomanagement einfliessen. Verschiedene Banken sind daran, Nachhaltigkeitsaspekte in die Finanzanalyse zu integrieren. Bei Vontobel gibt es hierfür seit vier Jahren einen definierten Prozess, und beispielsweise Banken wie J. Safra Sarasin oder die Zürcher Kantonalbank unternehmen Bestrebungen in diese Richtung“, sagt sie. So fliessen Standards zu Umwelt- und Sozialfragen wie zu Fragen der Unternehmensführung immer mehr in die Geschäftsprozesse ein. Ein wichtiger Schritt hin zu einem nachhaltigen Finanzsystem.  

Was den positiven Entwicklungen Rückenwind gibt: Das Klimathema wird zum Megatrend – nicht zuletzt für institutionelle Anleger. Das zeigte Ende Mai 2015 die Entscheidung des internationalen Versicherungskonzerns Axa Group, seine Beteiligungen an Kohleunternehmen im Wert von 500 Millionen Franken zu verkaufen. Axa ist somit als erste globale Finanzinstitution Teil der sogenannten Divestment-Bewegung und de-investiert, um beispielsweise das Kapital in alternative Energien fliessen zu lassen. Voraussetzung für dieses klimafreundliche Investitionsverhalten ist, dass mehr Transparenz besteht bezüglich der Treibhausgasemissionen, die in den Geldanlagen und Unternehmensbeteiligungen gebunden sind.

Nachhaltige Anlagen und ihre Regeln

Für nachhaltige Geldanlage gelten neben den klassischen Kriterien wie Rentabilität, Liquidität und Sicherheit auch soziale, ökologische und ethische Nachhaltigkeitsaspekte. Unterscheiden kann man vor allem diese Methoden, um nachhaltige Anlagen zu gestalten:

  1. Integration: Nachhaltige Selektionskriterien sind hierbei in das generelle Portfoliomanagement von Anlagen durch feste Prozesse integriert.
  2. Best-in-Class: Anbieter integrieren die jeweils besten Unternehmen einer Branche in ihre Portfolios.
  3. Norm-based-Screening: Anbieter achten durch Anwendung selektiver Prinzipien darauf, dass Unternehmen keine internationalen Normen verletzen. Beispielsweise schliessen sie Unternehmen aus, die an der Herstellung, Lagerung und Lieferung kontroverser Waffen beteiligt sind.
  4. Themenbezug: Angebote werden rund um ein Thema wie Energie entwickelt.
  5. Impact-Investment-Prinzipien: Bei Produkten dieser Kategorie finden meist diverse soziale Ziele einer Investition bewusst stärkere Beachtung als die finanziellen.

UN ermöglicht eine globale Debatte

Das UNO-Umweltprogramm (UNEP) hat im Rahmen seines langjährigen Engagements zu Sustainable Finance Anfang 2014 eine internationale Untersuchung gestartet. Dabei werden gesellschaftliche Akteure zur Gestaltung und zum Aufbau eines nachhaltigen Finanzsystems befragt. An dieser „UNEP Inquiry into the Design of a Sustainable Financial System“ nehmen verschiedene Länder wie die Schweiz mit dem Swiss Team freiwillig teil und beginnen einen Diskurs über das Thema: Sie sammeln Erfahrungen, gute Beispiele und Ideen in Bezug auf das Finanzsystem und sein Verhältnis zu den aktuellen ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Man will die grössten Hürden ausfindig machen, die das Finanzsystem für eine Grüne Wirtschaft darstellen kann – daraus sollen Empfehlungen für die Zukunft abgeleitet werden. Sitz der UNEP Inquiry ist Genf. Die Schweiz ist im Steuerungskomitee, dem Advisory Council, mit BAFU-Direktor Bruno Oberle vertreten. Das Swiss Team unter Leitung des BAFU hat im Mai einen ersten Bericht veröffentlicht und an einem Symposium in Bern diskutiert. Darauf aufbauend erarbeitet das Swiss Team nun konkrete Empfehlungen an die Finanzmarktakteure und den Bund.

Finanzmarktreform in der Schweiz

Die aktuellen Arbeiten zur Finanzmarktreform haben mehr Transparenz für Kunden zum Ziel. Insbesondere das Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) und das Finanzinstitutsgesetz (FINIG) wollen den Anlegerschutz unter anderem gemäss internationaler Standards verbessern. So geht es beim FIDLEG um die Voraussetzungen, unter denen Finanzdienstleistungen erbracht und angeboten werden. Die Kunden sollen möglichst umfassend informiert werden, damit sie eine fundierte Anlageentscheidung treffen können; für die Kundenberater soll eine Pflicht zur Aus- und Weiterbildung bestehen. Die Vorlage wurde im Herbst 2014 in die Vernehmlassung geschickt. Hier verzichtete man jedoch auf verbindliche Anforderungen, inwieweit auch Informationen zu Umwelt- und soziale Kriterien offenzulegen wären. Der Bundesrat verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf die freiwillige Selbstverpflichtung von Finanzinstituten. Die finale Version soll ab 2017 in Kraft treten.

Kommentar

28.05.2016
Hugues Mottard, Genève

Forest Finance Suisse est membre de Swiss Sustainable Finance et de Geneva Sustainable Finance. Nos rendements dépassent les 7% par année depuis plus de 20 ans.   

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Letzte Änderung 04.07.2016

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