Kreislaufwirtschaft als Ausweg aus der Ressourcen-Sackgasse

© SERI

Wenn die Wirtschaft ihren Umgang mit Ressourcen nicht überdenkt, sind gravierende Konflikte programmiert. Experten aus der ganzen Welt sind sich sicher: Eine Kreislaufwirtschaft könnte die Lösung sein. Am World Resources Forum in Davos diskutierten sie, wie das umzusetzen ist.

Von Yvonne von Hunnius (Davos), 15.10.2015

Soll in den entwickelten Ländern der aktuelle hohe Lebensstandard aufrechterhalten bleiben und für die Entwicklungsländer dereinst möglich sein, muss sorgsamer mit Ressourcen umgegangen werden. Allein die Schweiz braucht 140 Millionen Tonnen Rohstoffe pro Jahr – weniger als die Hälfte kommen aus dem eigenen Land. Das Ausland betreffen somit 60 Prozent der Umweltauswirkungen in Zusammenhang mit der Produktion und Verarbeitung von Gütern, die in der Schweiz verbraucht werden. Studien zeigen, dass ärmere Länder immer stärker unter knapperen Ressourcen und den Umweltauswirkungen aus deren Gewinnung leiden. Reichere Länder profitieren. „Bei der wachsenden Weltbevölkerung führt der heutige Umgang mit Ressourcen zu Konflikten – auch militärischen“, sagte der ehemalige EU-Umweltkommissar Janez Potočnik auf dem World Resources Forum (WRF), welches vom 12. bis 14. Oktober 2015 in Davos stattgefunden hat. Als einer der Köpfe des International Resource Panels war er nach Davos gekommen, um Antworten auf die Dilemmasituation zu diskutieren.

Ressourcen sind die Basis

Jeden Winter ist Davos der Nabel der Weltwirtschaft, wenn sich die Entscheider beim World Economic Forum (WEF) treffen. Wer bereits im Herbst nach Davos schaut, erkennt, wie wichtig die Frage der natürlichen Ressourcen ist. Das WRF ist jährlich ein Stelldichein der wichtigsten Experten in Ressourcenfragen. In diesem Jahr haben sich dort 550 Experten aus 110 Ländern versammelt – Wissenschaftler, Unternehmer, Vertreter von Regierungen und Organisationen. Ihr Kredo: Eine Kreislaufwirtschaft könnte eine Umkehr einleiten. Damit ist eine Industriewirtschaft gemeint, die nicht nur weniger Ressourcen verbraucht, sondern auch auf Wiederverwertung basiert. Diese Ansicht gewinnt immer mehr Rückenwind: Der globale Denkfabrik Club of Rome zeigt auf, dass mit Kreislaufwirtschaft in relevantem Mass CO2-Emissionen eingespart werden könnten. Die Europäische Kommission hat eine ambitionierte Strategie zur Kreislaufwirtschaft angekündigt.

Die Entscheidung zum Kreislauf bedeutet jedoch mehr als Wiederaufbereitung. Der WRF-Präsident und Materialexperte Xaver Edelmann sagt: „Material- und Produktströme müssen so in Zyklen organisiert werden, dass Ressourcen nicht zerstört werden und die Menge des entsorgten Abfalls erheblich gesenkt wird.“ Statt linearem Denken braucht es ein Denken in Kreisläufen, das den wahren Wert der Ressourcen berücksichtigt.

Innovation als Grundvoraussetzung

Um dieses Modell zum Fliegen zu bringen, ist zuvorderst Innovation gefragt. Forscher müssen wiederaufbereitbare Materialien optimieren und Produkte entwickeln, deren Elemente aus austauschbaren Modulen bestehen. Ein Pionierunternehmen ist hier unter anderem Stoll Giroflex aus der Schweiz mit komplett rezyklierbaren Bürostühlen.

Dabei können diese Ideen nur Früchte tragen, wenn Materialien den Weg zurück in den Kreislauf finden. Politische Rahmenbedingungen können dies begünstigen. Darüber hinaus müssen kreative Lösungen Profitabilität gewährleisten. Der niederländische Wissenschaftler Arnold Tukker sagte am WRF voraus: „Bald kaufe ich keine LED-Lampen mehr, sondern Licht. Wir werden ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln müssen.“ Somit erhielte Eigentum einen neuen Stellenwert, im Zentrum stünden Dienstleistungen, die etwa durch Produktleasing ermöglicht werden. Der US-Teppichhersteller Interface hat bereits seit langem entsprechende Konzepte entwickelt. Gerade auch bei Investitionsgütern wie Maschinen hat dies laut Experten eine grosse Zukunft.

Mehrwert ist möglich

Welche Hürden hier lauern, zeigt jedoch allein die Problematik des Elektroschrotts. 40 Millionen Tonnen wurden gemäss Schätzungen allein 2014 produziert, nur ein kleiner Teil gelangt wieder in den Produktionsprozess. Und neue Geschäftsmodelle müssen dabei eines besonders berücksichtigen: alle Beteiligten fair am Mehrwert eines Kreislaufsystems zu beteiligen. Doch wenn die Kreislaufwirtschaft greift, gehen beispielsweise Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey davon aus, dass dies eine Billionen Dollar und 100‘000 neue Arbeitsplätze für die Weltwirtschaft bedeuten könnte. 

Kommentare

*
*
Wird mit dem Kommentar veröffentlicht.
*
Wird mit dem Kommentar veröffentlicht.
*
Wird mit dem Kommentar veröffentlicht.
*
Wird nicht veröffentlicht.

* Hier gelangen Sie zur Netikette und den redaktionellen Grundsätzen. Ihre Daten werden auf einem Server der Bundesverwaltung für 60 Tage gespeichert, damit wir Ihren Kommentar bearbeiten können.

Letzte Änderung 20.10.2015

Zum Seitenanfang

https://www.gruenewirtschaft.admin.ch/content/grwi/de/home/Gruene_Wirtschaft_konkret/Kreislaufwirtschaft-als-Ausweg-aus-der-Ressourcen-Sackgasse.html