„Wenn schon Flugreise, dann mit CO2-Kompensation“

Eine Flugreise belastet das CO2-Ferienkonto so stark, dass der Zug immer die bessere Wahl ist. Und wenn das nicht geht? CO2 kompensieren, rät Christine Plüss, Geschäftsführerin des Arbeitskreises Tourismus und Entwicklung (AKTE) und des Reiseportals fairunterwegs.org.

Interview: Yvonne von Hunnius, Juli 2015

Christiane Püss

Christine Plüss ist Geschäftsführerin der NGO arbeitskreis tourismus & entwicklung (AKTE), die das Reiseportal fairunterwegs.org betreibt. AKTE setzt sich als Fachstelle dafür ein, den Tourismus aus entwicklungspolitischer Sicht kritisch zu beleuchten und informiert Reisende darüber, wie heute faires Reisen möglich ist.  

Flugreisen gelten als CO2-Sünden – wie stark fallen sie tatsächlich ins Gewicht?

Christine Plüss: Sehr stark. Generell schlägt der Transport bei Reisen mit durchschnittlich 75 Prozent der CO2-Emissionen zu Buche. Dabei sind die An- und Abreise die grössten Faktoren und der Flug die ungünstigste Alternative. Und gerade wir Schweizer müssen uns an der Nase fassen: Wir fliegen im Durchschnitt doppelt so oft wie unsere Nachbarn. Das hat zur Folge, dass bereits 16 Prozent der Schweizer Klimabelastung dem Flugverkehr zuzuschreiben ist. Man sollte also auf Flüge verzichten, wo es möglich ist, und stattdessen auf den Zug umsteigen.

Also nie wieder ein Urlaub in Asien?

Es geht um das richtige Mass. Wir haben einen Dreijahresplan im Blick: Wer in einem Jahr Ferien in Thailand macht, sollte CO2 kompensieren, mehr als eine Woche einplanen und auch vor Ort auf nachhaltigen Tourismus achten. Im folgenden Jahr stünde ein erdgebundener Reiseweg an. Auch nach Griechenland kommt man gut ohne Flugzeug. Im dritten Jahr wären Ferien in der Nähe an der Reihe: Es ist enorm inspirierend, den Rucksack zu packen und beispielsweise von daheim loszulaufen.

Ab welcher Distanz wäre eine Flugreise denn vertretbar?

Wir propagieren die Faustregel, nach der eine Strecke zwischen 800 und tausend Kilometern gut mit dem Zug zurückzulegen ist. Nehmen Sie Zürich-Berlin – hier würde ich immer den Zug wählen. Ist das Ziel weiter als tausend Kilometer entfernt, kann ein Flug sinnvoll sein – wenn man CO2 kompensiert.

Weshalb raten Sie zu CO2-Kompensation, wenn diese als Ablasshandel doch so stark in der Kritik steht?

Optimal ist es, CO2-Emissionen zu vermeiden. Geht das nicht, ist eine CO2-Kompensation immer noch das Beste, was man tun kann. Dabei ist wichtig, sich an Anbieter zu halten, die transparent arbeiten und deren Klimaschutzprojekte nach dem CDM-Gold-Standard strengste internationale Normen erfüllen. Wir raten zu den gemeinnützigen Organisationen myclimate, atmosfair und KlimaKollekte.

Wie steht es mit Busreisen und Kreuzfahrten, die beide gerade sehr in Mode sind?

Die Schiene ist der Strasse stets vorzuziehen, doch Busreisen kommen bei starker Auslastung und modernen Motoren um ein Vielfaches besser weg als Flugreisen. Kreuzfahrten sehe ich kritisch: Obwohl sich manche Anbieter um Umweltbewusstsein bemühen, sind hier oft toxische Gase im Spiel und viele Abwasserfragen ungeklärt. Wer per Schiff reist, reist keineswegs umweltfreundlich oder fair.

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Letzte Änderung 30.09.2015

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